Evangelisches Dekanat Ingelheim-Oppenheim

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          Junge Bestatter

          Bestatter – Traumberuf für zwei Mittzwanziger

          Quelle: Jörn von LutzauBestatterChristina und Kevin begegnen dem Tod an jedem Arbeitstag - sie sind Bestatter

          Wie ist das - tagtäglich mit Trauer konfrontiert zu sein und traurige Menschen um sich zu haben? Christina und Kevin sind Bestatterin und Bestatter – für sie ist das ein Traumberuf. Ihr Antrieb ist die Dankbarkeit der Angehörigen. Dennoch sind sie häufig mit starken Emotionen konfrontiert, denen sie sich stellen.

          Bestatterinnen und Bestatter sind täglich mit Tod und Trauer konfrontiert. Doch immer wieder wählen junge Menschen diesen Beruf, wie beispielsweise die 27-jährige Christina Lang und der 25-jährige Kevin Haupt. Beide versichern, dass sie nicht ständig traurig seien. Christina macht zum Beispiel gerne Sport, sie joggt, paddelt und geht ins Fitnessstudio. Außerdem liest und kocht sie gern und ist ein großer Fan der Stadt Dublin. Auch Kevin ist sportlich aktiv, er ist leidenschaftlicher Rennradfahrer, aktiv in der freiwilligen Feuerwehr und fasziniert von Hamburg. Christina Lang hat erst im Krankenhaus und der Altenpflege gearbeitet, er hingegen wollte schon immer Bestatter werden, entgegen aller Warnungen von Lehrern. Für Kevin ist sein Beruf echte Berufung. Und auch Christina sagt, dass ihr dieser Beruf ihr im Vergleich zu den vorherigen am meisten Freude bereitet.

          Balanceakt zwischen emotionaler Nähe und schützender Distanz

          Beide machen ihren Job sehr gern, trotzdem versuchen sie eine gewisse Distanz zu wahren. „Natürlich bin ich kein Eisklotz bei der Arbeit“, sagt Christina, „aber man darf auch nicht alles zu sehr an sich heranlassen.“ Kevin ergänzt: „Die Kunst eines wahren Bestatters ist es, Dienstleister zu sein und trotzdem Mensch zu bleiben.“ Es sei völlig in Ordnung auch mal mit den Angehörigen zu weinen. Wenn man aber immer mitweinen müsse, sei es vielleicht doch nicht der richtige Beruf. Obwohl beide sehr glücklich sind mit ihrer Berufswahl, sind sie sich einig: Auf Partys oder anderen Veranstaltungen wäre es leichter zu antworten, dass man im Büro arbeite. Tatsächlich gehört auch die Arbeit am Schreibtisch zum Job des Bestatters. Christina erzählt, dass sie es als unangenehm empfinde, auf Partys im Mittelpunkt zu stehen und sich von Fragen löchern zu lassen, wie: „Habt ihr schon mal jemanden vertauscht? Habt ihr schon mal mehrere Leute in einen Sarg gelegt?“ Auch Kevin sagt: „So gern ich meinen Job mache, er muss auch mal zu Hause bleiben, wenn ich in Ruhe meinen Feierabend genießen möchte.“

          Schicksale und Namen, die bewegen

          Auch wenn die beiden versuchen eine gewisse Distanz zu wahren, gebe es immer wieder Fälle, die sie nicht so schnell loslassen. „Mir geht der Tod von jungen Menschen immer besonders nah. Oder von alten Leuten, bei denen der Ehepartner gestorben ist und die betroffene Person dann mit allem komplett alleine dasteht. Sie ist meist völlig überfordert mit dieser Situation“, sagt Christina.  Und Kevin erzählt weiter: „Auch wenn Verstorbene die gleichen Namen wie Personen aus meiner Familie oder aus meinem Freundeskreis tragen, ist es schwerer für mich.“ Doch meist geht es eher um die stimmige Musikauswahl oder die Gestaltung einer Bestattung, wenn seine Gedanken die Arbeit betreffen. Trotzdem sind beide froh, dass das Institut, in dem sie arbeiten, weiter weg von ihren Wohnorten ist. So ist die Wahrscheinlichkeit jemanden beerdigen zu müssen, den man gut kannte, geringer. „Um Personen, die einem nahe standen, trauert man viel intensiver“, erklärt Christina.

          Tipps zum Trauern

          Jeder trauere zwar anders, aber verdrängen sollte man die Trauer nicht, meint Christina. „Es ist wichtig, die Trauer zuzulassen“, betont auch Kevin. Wenn er privat damit konfrontiert ist, schwingt er sich gern auf sein Rennrad und powert sich aus. Christina hingegen zieht sich gern einen Moment zurück, denkt darüber nach und spricht später oft mit ihrer Familie oder Freunden darüber. Nicht alle ihre Freunde wollen über traurige Themen sprechen, aber das ist okay für Christina. Kevin gibt weitere Tipps: „Oft hilft es, zur Trauerfeier zu gehen und dort seinen Emotionen mal richtig freien Lauf zu lassen. Danach geht es einem meist viel besser!“ Und wenn eine Person niemanden hat, dem man sich anvertrauen kann oder möchte, gibt es auch Trauergruppen oder professionelle Hilfe beim Psychologen. „Wichtig ist wirklich, die Trauer nicht in sich hinein zu fressen und sich auch mal zu überlegen: Was hätte sich denn der Verstorbene für mich gewünscht?“ Oft sei die Antwort, dass die Hinterbliebenen ein schönes Leben weiterleben sollen, berichtet Christina. Auch mache sich niemand gern Gedanken über den eigenen Tod, aber seinen Hinterbliebenen helfe es enorm, wenn jemand schon frühzeitig eine Bestattungsvorsorge getroffen habe.

          Man stirbt nur einmal – dem Tod Würde verleihen

          „Es ist ein ganz tolles Gefühl, die Dankbarkeit der Angehörigen zu spüren. Und es ist das Letzte, was man für einen verstorbenen Menschen tun kann“, sagt Kevin und auch Christina freut sich immer wieder, den Angehörigen zu helfen und dafür ihre Dankbarkeit entgegenzunehmen. So wissen Christina und Kevin, dass sie vieles richtig machen. „Gerade weil man nur einmal stirbt, sollte es dann perfekt sein“, sagt Christina.

          [Clarissa Weber]

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