Evangelisches Dekanat Ingelheim-Oppenheim

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          Martinskirchengespräch zu Trends der Heilssuche

          "Spiritualität braucht ein Mindestmaß an Selbstkritik"

          Zum nicht leicht zugänglichen Thema „Spiritualität. Du glaubst an was, das du nicht siehst“ hatte das Team des Jugenheimer Martinskirchengesprächs vor kurzem eingeladen.

          H.Wiegers

          Zu einem nicht leicht zugänglichen Thema „Spiritualität. Du glaubst an was, das du nicht siehst“ hatte das Team des Jugenheimer Martinskirchengesprächs vor kurzem eingeladen. Mit Dr. Eckhard Türk war ein Diplom-Theologe gekommen, der u. a. Beauftragter für Religions- und Weltanschauungsfragen der Diözese Mainz ist. Außerdem eingeladen war Prof. Dr. Sebastian Murken, Honorarprofessor für Religionswissenschaft und Religionspsychologie am Fachgebiet Religionswissenschaft der Philipps-Universität Marburg. Und schließlich Sri Sri Brahmani Mahadevi Mata, die in Nieder-Wiesen das Mahadevimata Shakti Center betreibt und sich auf ihrer Website „atlantislichtzentrum.de“ als „Große Lichtgöttin“ bezeichnet. Für die beiden Moderatoren des Abends, den Fernsehjournalisten Uli Röhm und – erstmals auf dem Podium der Martinskirche – Fernsehmoderatorin Hanna Zimmermann, war es daher nicht leicht, einen Diskurs zwischen den unterschiedlichen Podiumsteilnehmern herzustellen. Insbesondere weil Sri Sri Brahmani Mahadevi Mata, die in ihrem Zentrum u. a. Geistheilung-Quantenheilung anbietet, es vorzog, vorwiegend ihre eigene Vorstellung von Spiritualität und Heilserwartung darzulegen. Mehrmals löste sie mit ihren Ausführungen bei der Mehrzahl ihrer ZuhörerInnen ungläubiges Kopfschütteln aus, so als sie behauptete, Erwachsenen die Fähigkeit wiedergeben zu können, Engel zu sehen und in Kontakt zu Jesus zu kommen.

          Diplom-Theologe Türk und der Religionspsychologe Murken gingen auf die Motive ein, warum Menschen Spiritualität suchen. Sie sprachen auch die Gefahren an, die manche der heute sehr vielfältigen spirituellen Angebote mit sich bringen. Religionspsychologe Murken warnte: „Es gibt heute immer weniger Leute, die sich fest an eine Konfession binden, aber es gibt ein Bedürfnis nach Glauben. Und in dieser Beziehung ist die englische Unterscheidung des Begriffs „Glauben“ zwischen „faith“ und „believe“ hilfreich. Nämlich „believe“ als Glaubensinhalt, etwas für wahr halten, und „faith“ als ein vertrauensvolles Überantworten an etwas Größeres. Und es scheint so zu sein, dass dieses Bedürfnis nach „faith“, nach sich überantworten, nach Selbst-Transzendenz nicht weniger wird, aber die „believe“-Komponente, dieses inhaltliche Verwahrheiten, immer mehr abnimmt“. Türk definierte Spiritualität als sog. Containerbegriff „und je nachdem aus welchem weltanschaulich-religiösen Segment ich komme, fülle ich diesen Container anders“. Türk berichtete von Erfahrungen aus der Beratung von Menschen, die nach einer Spiritualität gesucht hätten, die oft eine Mischung aus Religion, Wellness, Esotherik sei. „Dabei ist der Hauptnenner oft, du als Individuum kannst dir mit einer bestimmten Methodik, die dir in dieser Gruppe vermittelt wird, dein Heil selbst erschaffen“. Und dann entdeckten diese Menschen, „das ist für mich eher eine Belastung, ich werde da in meiner Persönlichkeit manipuliert und ausgebeutet“. Auf die Frage, woran man erkennen könne, ob ein Angebot für Spiritualität außerhalb der Kirche unbedenklich ist, antwortete Prof. Murken: „Das ist auch innerhalb der Kirche nicht so leicht zu erkennen. Jede Art von Glauben hat Kosten und hat Nutzen. Meine Erfahrung ist, dass es sehr problematisch ist – bis auf wenige Einzelfälle – eine Kritik grundsätzlich an einer Gruppe als Ganzes fest zu machen. Es macht keinen Sinn alles über einen Kamm zu scheren“. Es gehe tatsächlich darum, im Leben des Einzelnen zu kucken, was er für seine Psyche, sein soziales Leben gewinnen könne und was die Kosten sein könnten. „Und die Erfahrung zeigt“, so Murken, „dass das nicht immer gleich ist“. Die Suche nach Spiritualität werde, so Murken, immer dann problematisch, wenn die Setzungen der Spiritualität unfrei machen, wenn Freiheitsgrade überdurchschnittlich beschnitten werden, wenn keine Entscheidungen mehr ohne Absprachen getroffen werden könnten. Und aus theologischer Sicht gab Dr. Eckhard Türk noch zu bedenken: „Wenn man eine Widersprüchlichkeit aufdeckt und das ist nicht erlaubt, dann würde ich das als ein sehr kritisches Moment für diese Spiritualität sehen. Ich würde vor jeder Spiritualität und Religion warnen, die nicht ein Mindestmaß an Selbstkritik hat“

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