Evangelisches Dekanat Ingelheim-Oppenheim

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          14. Interreligiöses Gespräch in Bingen

          Wie politisch darf Religion sein?

          H.Wiegers

          Unter dem Titel „Wie religiös sollte Politik sein oder wie politisch Religion?“ ließen die Veranstalter der mittlerweile schon renommierten Gesprächsrunde, die Volkshochschule Bingen und die Evangelische Kirchengemeinde Bingen, Vertreter des Christentums, des Islams und des Buddhismus zu Wort kommen.

          H.Wiegers

          „Von Kirche wird einerseits Spiritualität erwartet, auf der anderen Seite wird aber auch gefordert, dass sie sich sehr wohl politisch äußert und sich für bestimmte Dinge einsetzen soll“, mit diesen Worten leitete der Dekan des evangelischen Dekanates Ingelheim-Oppenheim und frühere Pfarrer der Johanneskirchengemeinde Bingen, Olliver Zobel, das 14. Interreligiöse Gespräch in Bingen ein. 

          Unter dem Titel „Wie religiös sollte Politik sein oder wie politisch Religion?“ ließen die Veranstalter der mittlerweile schon renommierten Gesprächsrunde, die Volkshochschule Bingen und die Evangelische Kirchengemeinde Bingen, Vertreter des Christentums, des Islams und des Buddhismus zu Wort kommen. Dabei entdeckten die Diskussionspartner so manche Gemeinsamkeit. So stimmten sie darin überein, dass Kirche in der Pluralität eines Staates eine wichtige Funktion für ein gelingendes Miteinander zukomme. Denn sie könne den Menschen ein Wertegerüst vermitteln, das der Demokratie ein festes Fundament gebe. 

          Der Vertreter des Islam, Hüseyin Kurt, Koordinator der Arbeitsgemeinschaft türkischer Moscheevereine in Frankfurt, wies auf die Parallelen in Politik und Religion hin: „Religion“, so Kurt, „hat eine ähnliche Aufgabe wie Politik: beide wollen die Menschen glücklich machen, aber bei der Religion ist das noch weitreichender. Diese interessiert sich nämlich auch für den Sinn des Lebens. Problematisch wird es immer dann, wenn Religion oder Politik dazu missbraucht werden, um Macht zu erhalten“.

          In diesem Zusammenhang wies der Moderator des Abends, der Politologe Dr. Ralf Kohl, die Zuhörenden darauf hin, dass sich der deutsche Staat aufgrund des §4 des Grundgesetzes für weltanschaulich neutral erklärt und seinen Bürgern so die Religionsfreiheit gewährt habe. Der Vertreter der katholischen Kirche, Privatdozent Dr. habil. Alexander Nawar, Ökumenereferent des Bistums Mainz, leitete daraus ab, dass der Staat in Deutschland seine Bürger in die Pflicht nehme, ihre Religion auszuüben, „um in einem immer pluralistischen Land Toleranz zu garantieren“. So könne Kirche zu einem gelingenden Miteinander in der Pluralität beitragen. Voraussetzung hierfür sei natürlich, so Nawar, dass sich Religion „als Dialogpartner versteht und nicht von oben herab als arrogante Institution, die alles weiß und vorgeben kann“, auftrete. Dies alles müsse natürlich auf den Vorgaben des deutschen Staates von 1948 basieren, die u. a. die Gleichheit der Frau umfassen und Rassismus, Antisemitismus und Homophobie verbieten. „Eine Konfession“, so Nawar, „die sich darauf nicht einlässt, hat das Recht verwirkt mitzuwirken“.

          Der Lehrmeister der buddhistischen Gruppierung Soka Gakkai in Bingen, Yoshiharu Matsuno, wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass er einen „ethischen Buddhismus“ vertritt. Dieser geht davon aus, dass die Religion mit dem Staat gemeinsam für die Lebensumstände des Menschen verantwortlich sind, damit sich der Leib des Menschen gut entwickeln kann.Die Landrätin des Landkreises Mainz Bingen, Dorothea Schäfer, hat beim Miteinander von Religion und Politik als Mitglied der Synode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau beide Seiten im Blick. Auch sie ist der Ansicht, dass sich Politik religiös erden muss. Allerdings warnte sie, vor Übergriffen beider Seiten in die Zuständigkeiten des jeweils anderen: „Wenn Politik zu mächtig wird und Einfluss auf die Religion nehmen will, oder umgekehrt, wenn Kirche nicht nur Rahmenbedingungen nennt oder sagt, was für Menschen aus dem Glauben heraus wichtig sein könnte, sondern wenn ganz konkret der Politik vorgeschrieben wird, was sie zu tun oder zu lassen hat. Dann ist für mich die Grenze überschritten“.

          Mit diesen Worten bezog sich die Landrätin auf das aktuell umstrittene Kirchenasyl. Kirche könne zwar Menschen Kirchenasyl beispielhaft einräumen, bis alle Rechtsmittel gegen eine Abschiebung eingelegt und entschieden worden ist. Darüber hinaus könne Kirche auch weitreichendere Regelungen fordern, die das bisherige Recht nicht vorsieht: „Diese Politik kann man vertreten“, so Schäfer, „aber dazu braucht es eine Mehrheit und diese Mehrheit beschafft uns nicht eine Kirche, sondern diese Mehrheit, die wird auf der politischen Ebene festgelegt“. Abschließend waren sich alle Diskussionspartner darin einig, dass eine respektvolle Partnerschaft zwischen Religion und Staat mit dem gemeinsamen Ziel, den Menschen glücklich zu machen, eine gute Grundlage dafür sei, dass sich eine Gesellschaft gut entwickeln könne.

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