Evangelisches Dekanat Ingelheim-Oppenheim

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          Umgang mit Demenz

          Zuwendung als Lebenselixier für Demenzkranke

          Quelle:© 2020 Getty Images, ObencemDemenzDie jüngere Generation wirkt zum Teil unbefangener beim Umgang mit Angehörigen, die an Demenz erkrankt sind

          Die Diagnose „Demenzerkrankung“ löst oft Ängste aus. Doch die erfahrende Gemeindepädagogin Monika Geselle macht Mut: Sie erlebt täglich, wie Zuwendung, Freundlichkeit und Mitmach-Angebote die Stimmung von Betroffenen und Angehörigen heben. Zudem bemerkt sie: Die junge Generation scheint einen ganz besonderen Draht zu erkrankten Großeltern oder -tanten zu haben.

          Quelle: privatMonika GeselleGemeindepädagogin Monika Geselle hat die Bedürfnisse von Menschen im Blick, die an Demenz erkrankt sind

          Kein ganz unbeschwertes Thema, das sich die junge 20-jährige EKHN-Reporterin Fabienne Lichtenberger ausgesucht hatte: der Umgang mit Menschen, die an Demenz erkrankt sind. Ihrem Gesprächstermin mit Gemeindepädagogin Monika Geselle blickte sie deshalb mit gemischten Gefühlen entgegen. Monika Geselle ist in der Frankfurter St. Nicolai-Gemeinde auch für die Arbeit mit Seniorinnen und Senioren zuständig. Die Reporterin erzählt vor dem Termin: „Ich kenne Demenz und Alzheimer hauptsächlich von den Medien, von Filmen und Serien, wo diese Themen eigentlich sehr düster behandelt werden - das war jedenfalls bisher meine persönliche Wahrnehmung.“ 

           

          Dabeisein - bei Ausflügen, beim Skat und im Café

           

          Nach ihrem Besuch vor Ort, sah das anders aus: „Ich bin ganz überrascht! Ich habe erfahren, dass die Menschen gerade wegen ihrer Demenzerkrankung raus möchten und etwas erleben wollen.“ Denn Gemeindepädagogin Geselle hat gerade kürzlich wieder erlebt: „Eine an Demenz erkrankte Teilnehmerin, die bei einem meiner Ausflüge dabei war, hat sich am nächsten Tag sofort für den nächsten Ausflug angemeldet. Der Wunsch nach Teilhabe besteht eigentlich bis zum Schluss fort.“ So meldeten viele Betroffene zurück, wie gerne sie eine Runde Skat im Spieletreff der Kirchengemeinde spielen. Oder ein an Demenz erkrankter Mann begleitet gerne seine Ehefrau bei Unternehmungen, wobei sie ihm dabei gleichzeitig die nötige Sicherheit vermitteln könne. Die erfahrene Pädagogin hat erfahren: „Auch wenn das Gedächtnis nachlässt, genießen es die Menschen, in der Gruppe am selben Tisch zu sitzen, mit dabei zu sein.“ Vor allem freut sich die evangelische Gemeindepädagogin, wenn sie auch im Alltag, beispielsweise bei einem Cafébesuch im Stadtteil, erlebt: „Ich sehe, da sitzt auch eine demente Dame am Tisch. Und die junge Kellnerin geht souverän, ohne Vorurteile damit um.“ Damit hat die Kellnerin intuitiv das umgesetzt, was Monika Geselle für den Umgang mit Menschen rät, die an Demenz erkrankt sind. Als Grundhaltung sei wichtig: „Freundlichkeit! Zugewandtheit!“ 

           

          Junge Leute bringen etwas in Bewegung

           

          Tatsächlich hat die engagierte Frau erfahren, dass die „junge Generation wie ein neuer Motor etwas in Bewegung bringt, neue Perspektiven eröffnet.“ Die Liebe der Enkel zu den Großeltern spiele eine tragende Rolle. Die Jüngeren seinen viel unbefangener, recherchierten schnell mal im Internet nach interessanten Angeboten oder Tipps und machen motivierende Vorschläge: ,,Oma, mach doch mal das.“ Es seien auch häufig Enkel, Nichten und Neffen, die sich um ältere Angehörige kümmern, wenn Verwandte schon weggestorben sind.

           

          Kommunikation: Was wichtig ist im Umgang mit Menschen, die an Demenz erkrankt sind

           

          Durch ihre Arbeit mit den Seniorinnen und Senioren und ihre eigene, an Demenz erkrankte Mutter weiß Monika Geselle: „Der Mensch will immer im Dialog mit anderen Menschen bleiben und geliebt werden.“ Gerade wenn dann die Vergesslichkeit eines Menschen zunehmend den Alltag bestimme, sei es wichtig, „dass das Band der Zuwendung und Empathie erhalten bleibt.“
          Wenn der Betroffene dann nicht mehr seine eigenen Kinder oder Enkel erkennt, kann das erstmal Enttäuschung oder Ärger auslösen. Aber Monika Geselle bleibt dabei: „Präsentieren Sie nicht ungefiltert das eigene Entsetzen, dass man nicht erkannt wird, auch noch dem Angehörigen. Stattdessen ist es hilfreich zu zeigen: `Du, ich kenne Dich und ich liebe Dich! Egal, auch wenn du mich nicht mehr Marianne nennen kannst.´“
          Familienmitgliedern und Freunden von an Demenz erkrankten Menschen empfiehlt Monika Geselle dabei die „11 Tipps zur besseren Verständigung mit Menschen mit Demenz“ (PDF) der Deutschen Alzheimer-Gesellschaft. Diese Empfehlungen seinen auch hilfreich für ehrenamtlich Mitarbeitende im Besuchsdienst der Kirchengemeinde.

           

          Schwierige Beziehungsthemen in jungen Jahren offen klären - als Vorsorge für den Umgang mit Demenz

           

          Die Realität sieht aber teilweise anders aus, da wird von dementen Menschen berichtet, die andere beschimpfen oder mit Gegenständen nach ihnen werfen. Das weiß auch Monika Geselle. Allerdings sieht sie in der Demenz nicht die eigentliche Ursache für die Aggressionen, sondern auch in ungünstigen Beziehungs-Erfahrungen. Sie erklärt: „Wenn es zum Beispiel in einer Ehe schon vor einer Demenzerkrankung keine gelungene Kommunikation gab, kein wirklicher Austausch stattgefunden hat, ist das eine schwierige Voraussetzung.“ Entwickelt sich dann bei einem Partner eine Demenz, können auch Aggressionen in der Partnerschaft, im Zusammenleben ausbrechen. Die Gemeindepädagogin fasst zusammen: „Dann ist die Verunsicherung für beide zu groß.“ Wenn die Beteiligten in Beziehungen aber schon früher die Probleme und Konflikte offen ausgesprochen haben, „können sie sich besser der Demenz stellen.“

           

          Traumata können Wahrscheinlichkeit erhöhen, an Demenz zu erkranken 

           

          Monika Geselle geht davon aus, dass Erfahrungen und Schicksalsschläge in jüngeren Jahren die Gesundheit im Alter beeinflussen können: „Demenz kann verstärkt vorkommen, wenn Traumata in der Biographie verankert sind.“ Das erlebt sie auch bei ihrer Mutter, die an Demenz erkrankt ist. Ihre Mutter hat Flucht, Vertreibung und Krieg erlebt und zwei Lebenspartner verloren. Die evangelische Gemeindepädagogin erklärt: „Je nach Mensch, je nach Typ kann es schon sein, dass der Stress für den Körper zu hoch war.“ Unbearbeitete Trauer und Traumata in Kombination mit einem hohen Alter können die Wahrscheinlichkeit erhöhen, an Demenz zu erkranken. Wenn es tatsächlich dazu gekommen ist, sei es wichtig dem Betroffenen z.B. mit einer Umarmung zu zeigen: „Du bist so gut, wie du gerade bist.“ Die Zuwendung und die direkte Sprache könnten dann einen Menschen im besten Falle tragen.

          [RH, Fabienne Lichtenberger]

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