Evangelisches Dekanat Ingelheim-Oppenheim

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          #MonatsImpuls November 2022

          T. Peisker-FleckensteinPfarrer Peter Fleckenstein umgeben von Reiseerinnerungen aus Armenien

          Ein Ausflug zu den Kirchen und Klöstern Armeniens

          Ende September hatten meine Frau und ich Gelegenheit, mit einer kleinen Reisegruppe für eine Woche durch Armenien zu reisen. Wir hatten schon länger davon geträumt, dieses geschichtsträchtige Land mit seinen Kirchen und Klöstern, seiner schroff-schönen Gebirgslandschaft und seiner geschmackvollen Küche näher kennenzulernen.

          Ein erster Ausflug führte uns zu den Ruinen der Palastkirche in Zvarthnots am Fuß des Berg Ararats. Von der Kirche und dem Palast des Kirchenoberhaupts ist nicht mehr viel zu sehen. Die Anlage wurde im Jahr 930 Opfer eines Erdbebens und später nicht wieder aufgebaut. Archäologen vermuten, dass das Gotteshaus einmal dreistöckig gewesen ist. So wie die Arche Noah, die auf dem nahegelegenen Berg in der heutigen Türkei am Ende der Sintflut strandete. Eine Kirche wie das dreistöckige Schiff, der große Kasten, der das Überleben von Mensch und Tier nach der Katastrophe garantieren soll. Auf engem Raum eingezwängt, von allen Seiten bedroht und auf Gottes Güte angewiesen. So sieht und erfährt sich die armenische Kirche bis heute. Sie gehört zu den ältesten christlichen Kirchen überhaupt. Bartholomäus und Thaddäus, zwei Jünger Jesu, sollen sie vor Zeiten auf ihrem Weg nach Indien gegründet haben. Bereits im Jahr 301 wurde das Christentum hier Staatsreligion. Weltweit soll es rund 10 Millionen Armenier geben. Davon leben gerade mal 3,5 Millionen im eigenen Land.

          Die Nachbarn Armeniens, das in früheren Zeiten zehnmal so groß gewesen sein soll, sind heute Georgien, Aserbaidschan, die Türkei und der Iran. Der Berg Ararat liegt inzwischen auf türkischem Staatsgebiet. In einer gut siebentägigen Exkursion kann man den über fünftausend Meter hohen Gipfel besteigen. Bis heute ist der sagenumwobene Berg im Nationalwappen Armeniens zu sehen. So wird die biblische Geschichte wachgehalten: trotz allem menschlichen Versagens gibt es eine zweite Chance für die Schöpfung. Mensch und Tier sollen miteinander überleben, so der erklärte Wille Gottes: „Es sollen nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht“ (1. Mose 8, 22). Die Arche Noah ist auch ein Bild für die christliche Kirche, die nach wie vor unterwegs ist, manchen Stürmen ausgesetzt und immer wieder zu neuen Ufern aufbrechen muss. So wie wir gegenwärtig in Hessen und Nassau. Angesichts zurück gehender Mitgliederzahlen und geringer werdendem Personal gilt es über den eigenen Kirchturm hinaus zu schauen und neue Formen der Gemeindearbeit auszuprobieren.

          Die armenische Kirche ist klein und alt, immer wieder bedroht und verfolgt, angegriffen und in die Enge getrieben. Sie ist aber auch entschlossen, zu überleben und das Versprechen Gottes für die ganze Schöpfung wach zu halten trotz aller Hindernisse und Herausforderungen. Die imposante Kirche von Zvarthnots ist durch ein Erdbeben zerstört worden. Von dem großen Gebäude sind nur wenige Säulen und Steine übrig geblieben. Doch das Modell dieser Kirche kann man vor dem Nationalmuseum in Eriwan bewundern: ein dreistöckiger Kasten, der auf engem Raum vielen Menschen und vielen Tieren Platz bietet und auf ein Weiterleben trotz allem hoffen lässt. Gott sei Dank. 

          Peter Fleckenstein, Pfarrer der evangelischen Versöhungskirchengemeinde Ingelheim, November 2022
          Evangelische Versöhungskirchengemeinde Ingelheim

          #MonatsImpuls Oktober 2022

          Th. StegmannPfarrer Thomas Stegmann, leidenschaftlicher Skifahrer, blickt auf seinen Pfarreralltag auch mal mit Humor. Hier steht er im Talar auf seinen Skiern im "Skigebiet Mommenheimer Pfarrhof"

          "Die Zukunft war früher auch besser!“"

          In diesen Tagen des Krieges in der Ukraine, der immer neuen Bilder von Zerstörung und Leid, lässt sich schwer Gutes finden. Die Verteuerung von Energie und Lebensmitteln stellt viele vor große Probleme. Zudem steigen gerade wieder die Covid-19 Fallzahlen. Kommen nun die Maßnahmen der vergangenen zwei Jahre zurück?  Abstandhalten, Hygiene beachten, Maske aufsetzen und vielleicht sogar allein daheim hocken? Nach dieser ganzen Zeit des „Lockdown“, die wir alle erlebt haben, würde man doch gern wieder zur Normalität zurückkehren und mit anderen einfach mal wieder fröhlich zusammensitzen. – So, wie früher. – Früher, so geht es einem durch den Kopf, war alles besser. Und während man das denkt, erhebt sich der Widerstand in einem selbst. War früher wirklich alles besser?

          Den Münchner Komiker Karl Valentin bewegte diese Frage zu der etwas provokativen Aussage: „Früher war alles besser - die Zukunft war früher auch besser!“ Ein Lacher für sein Publikum und eine grandiose Antwort. Jeder, der die Vergangenheit mit verklärten Augen betrachtet, wird zugeben müssen, dass er sich selbst damals Hoffnung auf eine gute Zukunft gemacht hat.

          Wie sehe ich mein eigenes Leben? Kommen da nicht manchmal die Gedanken an Zeiten, in denen ich körperlich fitter, geistig agiler und auch hoffnungsvoller war, weil mir in meinen Träumen die Welt noch offenstand? Wie viele Möglichkeiten hatte ich damals, mein Leben in so viele Richtungen zu lenken? Letztlich musste jeder von uns Entscheidungen treffen, die zugleich unsere Auswahlmöglichkeiten einschränkten. Alle Entscheidungen waren mit Bedingungen und Konsequenzen verknüpft. Einen Beruf zu ergreifen, bedeutete gleichzeitig, sich an Termine zu halten, Aufgaben erledigen zu müssen und die Freizeit oder die Familie den beruflichen Erfordernissen unterzuordnen. „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.“ Wir haben also in der Regel in der Vergangenheit Entscheidungen getroffen, mit denen wir die Zukunft zu unserer Gegenwart gemacht haben. Gleichzeitig müssen wir erkennen, dass es Menschen unter uns gibt, die sagen würden, dass sie nie die Möglichkeiten hatten, Entscheidungen zu treffen. Da geht es um schwere Schicksalsschläge und oft um Tragödien.

          Als Christen sind wir uns dessen bewusst, dass da Menschen neben uns leben, die unsere Hilfe brauchen. „Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst.“ Wir haben mit diesen Worten von Jesus Christus gelernt, dass wir uns derer annehmen sollen, die unsere Unterstützung dringend benötigen. Daher ist es unsere Aufgabe, die Gegenwart mit offenen Augen zu sehen, um die Zukunft gemeinsam zu gestalten. Manches ist dabei nicht einfach. Jesus Christus sagt: „Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.“ (Lukas 9, 62)

          Jesus selbst ist einen schweren Weg gegangen. Er, der sich mit seinen Jüngern um Kranke und Bedürftige gekümmert hat, der den Verzweifelten Hoffnung zugesprochen hat, ging seinen Weg bis Golgatha, bis ans Kreuz. „Früher war alles besser“, klingt hier absurd und völlig deplatziert. Es war die Entscheidung Jesu Christi, seinen Weg konsequent bis ans Ende zu gehen.

          Die Jünger, die am Karfreitag völlig fassungslos waren und womöglich glaubten, dass alles umsonst war und am Ende die Gewalt gesiegt hat, werden am Ostersonntag eines Besseren belehrt. Durch schwere Zeiten hindurch bleibt die Botschaft Jesu Christi bestehen und sein Wort gilt auch für uns heute in diesen scheinbar trüben Tagen. Jesus Christus spricht: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“

          So wünsche ich Ihnen einen hoffnungsvollen Blick nach vorne,

          Ihr Thomas Stegmann, Pfarrer in Mommenheim-Lörzweiler, Oktober 2022

          Evangelische Kirchengemeinde Mommenheim-Lörzweiler

          #MonatsImpuls September 2022

          E. KalbhennSchulpfarrerin Julia Kalbhenn vor der Eingangstür des Altbaus der Binger Hildegardisschule

          "Bildung heißt, sich als Bild Gottes zu verwirklichen und würdig zu erweisen"

          »Manchmal braucht es einen langen Atem und viel Geduld!« So könnte das Résumé einer Lehrerin, eines Lehrers klingen. Auf Hildegard von Bingen trifft es in jedem Fall zu, denn es dauerte rund 800 Jahre, bis sie offiziell die Würdigung erhielt, die ihr in der religiösen Praxis vieler Gläubiger längst gebührte. Beinahe auf den Tag genau zehn Jahre ist das jetzt her: Am 7. Oktober 2012 erhob Papst Benedikt XVI. Hildegard von Bingen zur Kirchenlehrerin. Seither mischt sie mit im Konzert der großen Theologen, als eine von vier Frauen. »Scivias« – »Wisse die Wege (des Herrn)«. So heißt ihr erstes und bekanntestes Werk. Und mit diesem Anliegen bringt sie auf den Punkt, welches Ziel Bildung hat: Kenntnis. Kenntnis darüber, wie der Mensch sich als Bild Gottes verwirklicht und würdig erweist. Aber auf welche Weise kann ein solcher Bildungsweg gelingen?

          »Wenn Hildegard heute eine Schule gründen würde…« Schülerinnen einer zehnten Klasse haben vor zwei Jahren am Hildegardistag genau darüber nachgedacht. Schnell waren sie sich darüber einig, dass an Hildegards Schule wohl ein recht umfassender Fächerkanon gelehrt werden würde. Ein Unterricht, der den Menschen als Ganzes in den Blick nähme. Und dass es Hildegard wohl wichtig wäre, diejenigen besonders zu fördern, die es in der Gesellschaft mit der gleichberechtigten Anerkennung schwer haben. Die Schülerinnen stellten sich eine Schule vor, die Kopf, Herz und Hand fordert und fördert. Eine Schule, in der junge Menschen ermutigt werden, ihrem Herzen zu folgen, ihre Stimme zu erheben, Konventionen zu hinterfragen und sich hier und da durchaus auch den Gepflogenheiten zu widersetzen, also: einzustehen für ihre Überzeugungen und sich nicht von scheinbar Mächtigen einschüchtern zu lassen.

          Hildegard ist diesen Weg gegangen. Einen Weg durch die Welt hindurch hin zu Gott – davon war sie überzeugt. Und unterwegs gestaltete sie diese Welt in der tiefen Gewissheit, Gottes Ebenbild zu sein.

          Braucht unsere Welt nicht genau das: junge Menschen, die gebildet verantwortlich die Welt um sich herum formen?

          Wie nachvollziehbar ist es darum, dass auch Schulen den Namen Hildegards tragen. Und es liegt an uns, dass aus dem Nomen dann auch ein Omen wird. Auch das ein Bildungsweg, bei dem sicher ist: Manchmal braucht es einen langen Atem und Geduld.

          Julia Kalbhenn, Schulpfarrerin an der Hildegardisschule in Bingen, September 2022

          #MonatsImpuls August 2022

          H. WiegersPfarrer Ralf Feilen greift für seinen Impuls auf den einzigen Roman des bulgarisch-britischen Schriftstellers und Literatur-Nobelpreisträgers Elias Canetti zurück.

          "Wozu Sie nicht in die Kirche gehen sollten..."

          „Man weiß ja, was alles in die Kirche geht“ denkt sich Therese Krumbholz nachdem sie im Wiener Stephansdom vor dem Abendmahlsbild gesessen hat. „Lauter Verbrecher!“ Im Altarbild hat sie in Jesus ihren angehimmelten Möbelverkäufer Grob gesehen. Ihr von ihr verachteter Ehemann, Professor Kien, hat sie dagegen im Judas entdeckt. Solche und andere Verdrehungen schildert Elias Canetti in seinem 1935 erschienenen Jahrhundertroman „Die Blendung“.

          Die vermeintlich fromme Therese, die gerade eine Million geerbt hat, geht in den Dom, um sich selbst groß zu fühlen. Sie sieht in dem Abendmahlsbild das, was sie sehen möchte. Sich selbst sieht sie in der Taube, die über Jesus schwebt. Von sich selbst ist Therese so ganz eingenommen, geblendet. „Lauter Verbrecher!“ empört sie sich. Sie ist unfähig zu sehen, was sie selbst anrichtet. Sündenbewusstsein? Von wegen!

          „Es wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut.“ Das sagt Jesus am Ende der Gleichnisse vom verlorenen Schaf und vom verlorenen Groschen. Ein wiedergefundenes Schaf entfacht mehr Freude, als 99 Schafe, die brav auf der Weide grasen. Ein Sünder, der sein Leben ändert und umkehrt, macht mehr Freude, als 99 Gerechte, die nicht umkehren müssen.

          Sich selbst als Sünder zu sehen, setzt Mut und Selbsterkenntnis voraus. Auch die Bereitschaft, sich von Gott so ansehen zu lassen, wie wir sind. Heutzutage sprechen wir nicht mehr gerne von uns als Sünder. Martin Luther war da lockerer. Er sagte: „Wir sind Sünder allzumal.“ Wir sind Menschen mit Fehlern und Schwächen. Da hilft die perfekteste Selbstoptimierung nicht. Im Gegenteil: der Versuch, perfekt sein zu wollen, bringt uns schon auf die falsche Spur.

          Wir sind Sünder allzumal! Und die Engel Gottes, ja, Gott selbst freut sich über jeden, der das sieht und versucht, es besser zu machen, ohne perfekt sein zu wollen.

          Das singen wir im Gottesdienst bald nach dem Sündenbekenntnis: “Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen!“ Ursprünglich war dieses Lob ein Jubel, der uns über uns selbst hinaushebt. Ein Himmels-Schrei, der der Freude im Himmel über unsere Umkehr entspricht.

          „Man weiß ja, was alles in die Kirche geht.“ Genau: Menschen, die eine Sehnsucht haben, so gesehen und akzeptiert zu werden, wie sie sind. Gottes geliebte Sünder und Kinder!

          Deshalb ist mein Lieblingsort der Gottesdienst – in welcher Kirche auch immer.

          Ralf Feilen, Pfarrer in Horrweiler-Aspisheim, Vakanzvertreter in Bingen-Büdesheim und Appenheim, August 2022

          Evangelische Kirchengemeinde Horrweiler-Aspisheim

          #MonatsImpuls Juli 2022

          H. WiegersJasmin Gabel, Pfarrerin in der Evangelischen Kirchengemeinde Guntersblum, berichtet von Sternstunden ihrer Gemeindearbeit

          "Sternstunden"

          Sternstunden in der Gemeindearbeit – das sind für mich Besuche, bei denen mich Menschen von sich aus auf Gott ansprechen. Wenn sie wissen wollen, wie ist das mit Gott, wer ist Gott eigentlich für Sie?

          Ja – und was sage ich dann? Wer ist Gott für mich? Ich weiß es nicht. Ganz provozierend und auf die Gefahr hin, dass meine Gesprächs-partner enttäuscht sind, muss ich das als erste Antwort sagen. Genauer muss ich sagen: Ich weiß es oft nicht, jedenfalls nicht so, wie manche erwarten, ich müsste es als Pfarrerin doch wissen.

          An einem Sommertag, an dem unsere Weinberge in einem satten Grün leuchten mit ihren üppigen Trauben, und der weite Himmel sich darüber spannt, da meine ich zu wissen, wer Gott ist: der Urgrund und Schöpfer des Lebens, dem wir ein Loblied singen sollten an jedem Morgen, den er uns auf seiner Erde schenkt.
          Und wenn ich zwei Menschen, die sich lieben, kirchlich trauen, ihnen den Segen Gottes zusprechen darf, wenn ich spüre, wie zuversichtlich nahe sie sich sind, dann weiß ich es wieder: der einem Menschen den Anderen gibt, der ist Gott. Denn es ist kein blinder Zufall, dass sich Wege von Menschen begegnen.

          Aber da sind ja auch die anderen Bilder. Ich brauche keines davon näher zu beschreiben, sie sind uns vor Augen und haben sich uns schrecklich eingegraben: Kriegsgemetzel und Flutwellen, zerbombte Häuser und verhungernde Kinder. Das Bild gequälter Menschen, der leidenden Schöpfung, der seufzenden Kreatur – und schon weiß ich nicht mehr, wer Gott ist. Wer ist er? Liebhaber oder Vernichter des Lebens? Und ist es dann nicht besser zu denken, er sei gar nicht? Es gäbe ihn gar nicht? Ist das nicht einfacher und auch redlicher?

          Ich spreche immer wieder mit Menschen, die auf Gott ganz bewusst verzichten. Die gleichgültig geworden sind oder müde an der uralten Frage: Wie kann es einen Gott geben, der das alles zulässt, was an Schrecklichem geschieht, Tag für Tag?! Oder Menschen, die resigniert und enttäuscht sind von denen, die so leichtfertig von Gott reden – auch das sympathische, ernsthafte Menschen, die ihr Leben meistern und bestehen wie Christen auch.

          Was also hat Gott mit mir zu tun? Ich muss bei dieser Frage an jenes Lied eines glücklichen Menschen denken, das mit einem Bild beginnt: „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln…“ Und mitten drin, dort wo es ernst wird, im finsteren Tal, taucht plötzlich das „Du“ auf: „Du bist bei mir.“

          Wenn mich jemand fragen würde, woran ich denke, wenn ich an Gott denke, dann könnte ich zuversichtlich antworten: Ich denke an Jesus von Nazareth. Wenn ich die Hand Gottes spüren will, dann sehe ich auf die Hände von Jesus. Und wenn ich hören will, was Gott sagt, dann höre ich auf die Worte: „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch neue Kraft geben.“
          Und wenn ich merke, wie mir Zeit und Kraft unter den Händen zerrinnen, dann sehe ich auf den, bei dem Tod und Leben ganz nah beisammen sind.

          Wer ist Gott? Ich weiß es nicht, habe ich zu Anfang gesagt. Ich weiß es oft nicht, ich weiß es nicht so, wie mein Verstand es wissen will. Aber manchmal wenigstens weiß ich es anders: schöner, helfender, menschlicher als mein Verstand es erfassen kann. Ich sehe Jesus Christus bei denen, die ihn brauchen, die ganz und gar auf ihn angewiesen sind.

          Und wenn Menschen sich öffnen und wir uns darüber austauschen können – das sind für mich Sternstunden meiner Gemeindearbeit.

          Pfarrerin Jasmin Gabel, Kirchengemeinde Guntersblum, Juli 2022

          Evangelische Kirchengemeinde Guntersblum

          #MonatsImpuls Juni 2022

          H. LotzPfarrer Hartmut Lotz begleitet die Freiluftgottesdienste am Friedenskreuz auch gerne auf der Gitarre.

          "Und sie kommen von Westen und Osten, von Norden und von Süden..."

          Die ersten sind meistens die Kirchenvorstände, um alles vorzubereiten. Dann treffen die ersten Autos ein, suchen Parkplätze am Wegrand. Zwischendurch kommen die Wanderer aus Bubenheim und Engelstadt, die schon eine knappe Stunde unterwegs waren. Von Süden her treffen nach und nach auch die Menschen aus Jugenheim und Partenheim ein. Bänke sind aufgestellt, bei schönem Wetter schützen Sonnenschirme die Menschen. Tische werden hinzugepackt, auf denen sich Weck, Worscht und Wein tummeln.

          Ein kleiner Altar entsteht am Wegrand, ein Kreuz, ein paar Blumen, sehr häufig Taufgeschirr und Taufkerzen. Um halb elf sind dann alle da. Haben ihren Platz gefunden und schauen … zum Friedenskreuz. Mitte der 90er Jahre ist es entstanden auf Anregung von einem Jugenheimer Bürger und aufgestellt wurde es von einem Jugenheimer Unternehmen mit Engelstadter Wurzeln. Damit begann auch die Zeit, in der wir dort am Friedenskreuz auf dem Bleichkopf regelmäßig am ersten Sonntag im Juni und am dritten Sonntag im September anfingen, Gottesdienste zu feiern.

          Die Menschen kamen aus den Dörfern rund um den Bleichkopf und tun es bis heute gerne. Bei schönem Wetter sind es oft mehr als hundert Gäste, die wir im Gottesdienst empfangen können. Meistens kommen auch Tauffamilien auf uns zu, um dort ihre Kinder taufen zu lassen und selbst eine Trauung konnte ich dort bei schönstem Wetter durchführen. Immer wieder machen Wanderer dort Halt und verweilen unter dem Friedenskreuz, das seit nunmehr über 25 Jahren die Menschen aus dem unteren Selztal an den Frieden gemahnt.

          Und sie kommen zusammen aus Westen und Osten, von Norden und Süden. Weil dieser Ort, so nah er auch an unseren Dörfern ist, doch den Blick in die Ferne schweifen lässt und das Nahe dem Blick etwas entrückt. Als könnte man innerlich etwas zurücktreten und sich an der Weite unserer rheinhessischen Kulturlandschaft erfreuen. Und wie schön ist es im Herbst, hinter sich die Weinstöcke mit den reifen Trauben, und man kann immer wieder auch etwas genießen. Es ist tatsächlich mit den Jahren ein Ort des Friedens geworden mit dem Kreuz, das in den Himmel ragt und Menschen zusammenführt zu Andacht und Meditation, aber auch zum Essen und Trinken am großen Tisch des Herrn.

          Im Kleinen erlebe ich hier, was ich mir für das Große unserer Welt wünsche: den Frieden, der die Menschen zusammenbringt aus den verschiedenen Himmelsrichtungen und der aus Nachbarn Freunde werden lässt. Auch wenn wir in diesem Jahr an Pfingsten nicht am Friedenskreuz sein konnten, im Herbst jedoch pilgern wir wieder zu Fuß, mit dem Rad oder dem Auto hin zu dem Ort, wo der Friede Menschen zusammenführt an den einen Tisch. Das Friedenskreuz – mein Sehnsuchtsort!

          Hartmut Lotz, Pfarrer von Bubenheim und Engelstadt und Inhaber der Profilstelle für Mission und Ökumene im Dekanat Ingelheim-Oppenheim, Juni 2022

          Evangelische Kirchengemeinde Bubenheim und Engelstadt

          #MonatsImpuls Mai 2022

          H. WiegersVeranstaltungen wie der ÖkumenTisch in Nieder-Olm gehören für die stellvertretende Dekanin Julia Freund zu den hoffnungsvollen Zeichen gelebter Ökumene.

          "Ein Zeichen der Gemeinschaft in schwierigen Zeiten..."

          Ein liebevoll gedeckter Tisch im Garten, ein duftender Brotlaib, etwas Käse, Oliven. Menschen, die sich um den Tisch versammeln, das Brot miteinander teilen, gemeinsam essen, erzählen, lachen  - Tischgemeinschaft im besten Sinne dieses Wortes. Wie letzten Sonntag, als wir in Nieder-Olm unsere langjährige Chorleiterin verabschieden mussten und im Anschluss mit den Weggefährten noch im Pfarrgarten zusammenkamen. Erinnerungen wurden ausgetauscht, das gemeinsam über die Jahre Erlebte wieder lebendig, trotz zweier Coronajahre, in denen die Gemeinsamkeit eingefroren schien. Weggemeinschaft, die am Schicksal des Anderen Anteil nimmt, einander schätzt und ernstnimmt, die aber auch fröhlich und ausgelassen miteinander feiert. Ich liebe diese gemeinsamen Momente, das Gemeinsam-am-Tisch-Sitzen, das Erinnern, Geschichten erzählen und deshalb gehören solche gemeinsamen "Tafeln" zu meinen Lieblingsplätzen.

          Zugegeben, gemeinsam am Tisch zu sitzen ist nicht immer so entspannt. Wenn man gerade kleine Kinder in der Trotzphase hat, in der gefühlt bei jedem Essen ein Teller zu Bruch geht; oder pubertierende Teenager, die sich aus der Enge der Familiengemeinschaft herauslösen wollen in die Weite des Freundeskreises – gemeinsames Essen ist nicht in jeder Lebensphase gemütlich und eitel Sonnenschein. Aber auch in dieser Zeit gibt es sie, diese Momente beim gemeinsamen Essen, wo sich schweigsame Jugendliche plötzlich öffnen und erzählen, wo mit kleinen Kindern herzhaft gelacht wird  - wo Gemeinschaft in der Familie und über sie hinaus spürbar wird.

          In unserer christlichen Tradition ist dieses gemeinsame Essen tief verankert: Von Jesus selbst sind viele Mahl-Geschichten überliefert, wie er mit den Frauen, Männern und Kindern, die ihm folgten, gemeinsam das Brot teilte und die Gemeinschaft feierte. Bis hin zu diesem letzten Mahl, an dem Jesus sein Schicksal mit dem Teilen von Brot und Wein verband: So, wie er Brot und Wein verteilte unter seinen Jüngern, so würde er sich selbst, sein Leben hingeben, für sie – für uns alle. Und zur Erinnerung daran der Auftrag: Teilt Brot und Wein miteinander! Das Abendmahl ist seither für alle Christen Sakrament – heilige Handlung.

          Wie schade, dass wir Christen evangelischer und katholischer Konfession anstelle der Gemeinschaft im Teilen des Brotes oft viel stärker das Trennende betonen. Wie schade, dass in der Vergangenheit die Kirchen das jeweils „rechte Verständnis vom Abendmahl“ zur Bedingung machten, es gemeinsam zu feiern. Die Kirchen evangelischer Prägung haben diese Trennung schon länger überwunden. Reformierte und Lutherische Gemeinden feiern gemeinsam. Wann wird auch in der katholischen Kirche die Eucharistiefeier, wie das Abendmahl dort heißt, auch für evangelische Christen geöffnet werden?

          In Nieder-Olm freuen wir uns an einer sehr lebendigen und offenen Ökumene. Hier werden wir an Pfingstmontag ein besonderes ökumenisches Mahl miteinander feiern: wir laden ein zum ÖkumenTisch. An einer langen Tafel mitten auf der Hauptstraße im Ort, die zu diesem Anlass für den Autoverkehr gesperrt wird, sind alle willkommen, miteinander zu essen, zu trinken und Gemeinschaft zu erleben. Für Kinder wird extra eine Hüpfburg aufgebaut und das Oasenmobil unseres Dekanates mit seinen vielfältigen Spielangeboten macht Station am ÖkumenTisch.

          Ich freue mich über dieses Zeichen der Gemeinschaft in schwierigen Zeiten. Ich freue mich, Menschen unterschiedlichster religiöser und kultureller Herkunft an einen Tisch zu holen, und gemeinsam den Pfingstmontag, das Fest des Heiligen Geistes, fröhlich zu feiern.Treffen wir uns dort? Oder vielleicht auch beim Dekanatsfest an der Ingelheimer Burgkirche am 10. Juli 2022. Hier ist im Rosengärtchen viel Platz um uns gemeinsam an einen Tisch zu setzen und fröhlich miteinander auszutauschen. Das würde mich freuen.


          Herzlichst, Ihre Pfarrerin und stellvertretende Dekanin Julia Freund, Mai 2022

          Evangelische Kirchengemeinde Nieder-Olm

          #MonatsImpuls April 2022

          H. WiegersPfarrerin Anita Nowak-Neubert neben dem alten schmiedeeisernen Kirchenkreuz aus Stadecken, das im Katharina-von-Bora-Garten an der Elsheimer Paulskirche steht. Vor ihm findet seit Beginn des Ukraine-Krieges von Montag bis Freitag jeweils um 12:00 Uhr ein Ökumenisches Friedensgebet statt.

          "... solange die Erde besteht!"

          Drei Tage mit den Konfirmanden. Wir bereiten den Vorstellungsgottesdienst vor. Was bin ich froh, dass das Wetter gut ist und wir draußen sein können.

          Draußen – das meint: Im Garten hinter dem Gemeindehaus, auf der grünen Wiese und unter den vielen Lindenbäumen, die gerade austreiben. 23 Jugendliche, Konfirmanden und Teamer, beschäftigen sich unter Gottes blauem Himmel mit IHM und mit sich und beiden zusammen. Nie ist die Wiese übrigens so schön wie im April. Den Sommer über verbrennt die heiße Sonne den Rasen schier; und der nasse Winter setzt ihm gewaltig zu und macht es den Resten schwer. Aber jetzt im April wächst er mit einem solchen frischen Grün und saftigen Halmen in unbeschreiblicher Geschwindigkeit aus dem Boden.

          In diesem Jahr frage ich mich, haben wir einen grünen Rasen oder eine weiß-gelbe Gänseblümchenwiese? Es ist so schön!

          Sie wundern sich vielleicht darüber, wie ausschweifend jemand über Grashalme und Gänseblümchen werden kann. Aber gerade in diesem Jahr empfinde ich den Segen so besonders, den mir das alles vermittelt. Den Segen aus dieser Verheißung, die Gott uns wissen lässt: „Von nun an soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht, solange die Erde besteht!“ (1. Mose 8,22)

          Von „Beständigkeit“ höre ich in diesem Vers; das tut gut. Und ich weiß es wieder neu, weil ich es ja wirklich vor Augen habe: „Da gibt es eine gute Ordnung.“ Daran halte ich mich von Herzen gerne fest.

          ... und was tut Ihnen in diesen Tagen wohl?

          Ihre Pfarrerin Nowak-Neubert, April 2022

          Evangelische Kirchengemeinde Stadecken-Elsheim

          #MonatsImpuls März 2022

          H. WiegersVor dem Panorama des Mittelrheintals – entspannt sieht Pfarrerin Heike Corell den Aufgaben entgegen, die auf sie zukommen.

          "Das Unerwartete planen?"

          Ein kleines Geschenk habe ich besorgt, die Grußkarte ist unterschrieben. Beides packe ich in meine Tasche. Gemeinsam mit einer Freundin mache ich mich auf den Weg zu einem Überraschungsbesuch. Wir starten früh, denn wir wollen rechtzeitig bei unserem Bekannten ankommen. Auf einmal, wird sind schon kurz vor dem Ziel, tun sich bei uns Fragen auf. Er erwartet uns nicht. Wird er uns überhaupt reinlassen? Obwohl wir gut geplant haben, kreisen auf einmal die Gedanken. Zweifel kommen auf.

          Ähnlich ergeht es Maria Magdalena, Maria und Salome. Sie wollen einem guten Vertrauten noch einen letzten Dienst tun. Sie möchten seinen Leichnam salben. Wohlriechende Öle haben die drei Frauen gekauft. Früh am Morgen – so früh wie möglich – brechen sie auf. Sie sind gut vorbereitet und haben ihr Vorhaben fest im Blick. Oder etwa doch nicht?

          Denn den drei Frauen kommt auf einmal der Stein in den Sinn. Der Stein, der vor dem Grab liegt. Groß und schwer. Sie selbst können ihn nicht bewegen. Ein scheinbar unüberwindbares Hindernis. Und sie sprachen untereinander: „Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür?“

          Ich fühle mit Maria Magdalena, Maria und Salome und stelle mir vor, wie auf einmal ihr Herz schwer wird. War es nicht schon traurig und schwer genug, dass ein geliebter Mensch gestorben ist? Ein Mensch, mit dem sie sich verbunden fühlten. Dem sie nachgefolgt sind. Der ihnen erzählt hat, dass er das Leben sei.

          Noch einmal wollen sie ihn sehen. Ihn mit wohlriechenden Ölen einbalsamieren. Und nun scheint es, als müssten sie auch diese Hoffnung begraben. Jetzt, wo sie doch schon am Grab angekommen sind. Und das, obwohl sie all das getan haben, was in ihrer Hand lag. Die Frage lastet schwer: „Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür?“ Und dann das. Sie sehen hin und entdecken. Es ist alles anders. So unverhofft. Der Stein ist bereits weggewälzt.

          Sie gehen hinein in das Grab. Doch auch dort finden sie nicht das, was sie erwartet haben. Was ihnen dort begegnet, lässt sie erschrecken. Im Grab sehen sie einen Jüngling mit weißem Gewand, der zu ihnen spricht. Seine Worte können sie nur schwer fassen: „Entsetzt euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier…“ Die Worte des Jünglings beruhigen sie nicht. Die Frauen dachten, sie seien gut vorbereitet und sind es doch nicht. Sie rechneten einen Toten zu finden und die Nachricht, dass Jesus auferstanden sei, überforderte sie. Die drei Frauen fürchten sich und laufen weg vom Grab.

          Sehr menschlich ist das Verhalten der Frauen. Übersteigt das Gesehene doch das, was sie sich vorstellen können. Das kann durchaus Angst machen. Nichtsdestotrotz lässt uns diese Ostergeschichte aus dem Markusevangelium (Mk 16,1-8) neu hoffen. Sie erweitert den Horizont. Sie lässt uns über das, was wir mit unserer Vernunft erfassen können, hinausschauen. Sie ermutigt uns, unsere Herzen offen zu halten für das Unerwartete. Sie spendet Trost, dass wir nicht auf alles vorbereitet sein können und müssen.

          Denn sie zeigt uns die große Botschaft, die Maria Magdalena, Maria und Salome erschüttert: Jesus hat den Tod überwunden. Der Tod ist nicht das Letzte. Jesus ist auferstanden. Halleluja!

          Ihre Pfarrerin Heike Corell, März 2022

          Evangelische Johanneskirchengemeinde und evangelische Christuskirchengemeinde Bingen

          #MonatsImpuls Februar 2022

          H. WiegersSimon Ahäuser in "seiner" Dienheimer Kirche – das kleine Gebetsbuch begleitet ihn.

          "Warum ich das tägliche Gebet auf meiner To-Do-Liste habe..."

          Ich liebe Listen. Listen bringen Ordnung ins Chaos. Ich brauche das, denn wenn ich mir etwas nicht aufschreibe, dann vergesse ich es. Auch wenn ich mir noch so viele Mühe gebe, schon wenige Minuten später ist es weg. Aus den Augen – aus dem Sinn. Deshalb schreibe ich mir alles auf. Dann funktioniert es. Auf meinem PC habe ich eine To-Do-Liste mit zehn verschiedenen Bereichen, auf denen ich alles detailliert aufschreibe, markiere und dann auch lösche. So gelingt der Alltag, zumindest bei mir.

          „Hört nicht auf, zu beten und zu flehen! Betet jederzeit im Geist; seid wachsam, harrt aus und bittet für alle Heiligen.“ (Epheser 6,18 – Monatsspruch für den März 2022)

          Oft komme ich morgens ins Büro gestürzt, schalte den PC an und lege los. Und vergesse mal wieder etwas ganz Wichtiges: Mein tägliches Gebet. Deshalb erinnert mich auch daran meine To-Do Liste. Und für dieses Gebet habe ich dann auch noch eine Liste angelegt – in einem kleinen Buch: Eine Gebetsliste. Dort schreibe ich mir auf, für wen ich ab wann ein Jahr lang täglich beten möchte. Manchmal kommt der Impuls von außen: Eine Mutter, deren Kind Corona hat, schreibt mir unerwartet, ich möge das Kind in mein Gebet aufnehmen. Manchmal kommt der Impuls aber auch von mir: Nach einem Gespräch denke ich mir, es wäre sinnvoll, die Sorgen eines Menschen an Gott weiterzugeben.

          Aber warum tue ich das ein Jahr lang? Einfach so, denn ich glaube, es tut gut, eine Person vor Gott und auch vor mich selbst zu bringen. Und zwar beharrlich, täglich. Damit es eben nicht so leicht vergessen geht. Oft bedarf es gar keiner großen Worte. Das Gebet ist eben nicht „nur der Ort, an dem wir pausenlos zu Gott reden (um nicht zu sagen: auf Gott einreden), sondern auch ein Ort, an dem wir schweigen, lauschen und nachdenken.“[1] Das regelmäßige Gebet ist also auch nicht für die Menschen, die ich vor Gott bringe, wichtig, sondern auch für mich selbst und meine eigene Gottesbeziehung. Das gibt mir Kraft für den Tag, und danach kann ich getrost wieder ein Häkchen in meiner Liste machen.

          Ihr Pfarrer Simon Ahäuser, Februar 2022

          Evangelische Kirchengemeinde Dienheim mit Ludwigshöhe

          [1] Wilfried Härle: Warum Gott? Für Menschen, die mehr wissen wollen, Leipzig 2013, S. 226-232.

          #MonatsImpuls Januar 2022

          H.WiegersPfarrerin Norina Mutzek im Altarraum der Binger Christuskirche. Rechts hinter ihr ist der von dem Kölner Künstler Günther Lossow entworfene Taufbecken zu sehen.

          "Frau Pfarrer, können Sie mich taufen?"

          "Erwachsenentaufen waren die letzten Jahre nicht mehr so ungewöhnlich in der Christuskirche. Oft waren es Menschen aus den neuen Bundesländern, die sich zu einer Erwachsenentaufe entschieden. Jedoch ungewöhnlich war der Wunsch eines jungen Erwachsenen, denn es stellte sich im Laufe des Taufgesprächs heraus, dass der Mann schon in früheren Jahren von dem Hausmeister seiner Schule getauft wurde. Es war schwer, ihm klarzumachen, dass die Taufe des Hausmeisters gültig ist und dass ich ihn nicht noch einmal taufen könne.Wir einigten uns schließlich auf eine Segnung, und das war für ihn fast so schön wie eine Taufe.

          Beim Betrachten des Tauffensters in der Christuskirche, das die Kindersegnung darstellt, fallen mir viele schöne, bewegende Tauffeiern ein – in und außerhalb der Kirche ein, im Park am Mäuseturm oder in Coronazeiten auch auf dem Vorplatz der Kirche.„Darum gehet hin und lehret alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes…“ Mt. 28,19

          Der Taufbefehl aus dem Matthäusevangelium hat mich dazu bewegt, Menschen im In- und Ausland zu taufen, einmal sogar eine deutsche Freiwillige in einer ghanaischen Schule, mangels eines Taufbeckens, mit einer Salatschüssel.

          Taufe verbindet uns als Christen und Christinnen rund um den Globus im gemeinsamen Glauben an Jesus Christus. Ob nun unter ungewöhnlichen Umständen oder an einem ganz normalen Gottesdienst am Sonntagmorgen, ist dabei nicht entscheidend. Doch es ist gut zu wissen: Der Heilige Geist wirkt in der Taufe, und in der Taufe eint und stärkt er Menschen über Grenzen hinaus."

          Ihre Pfarrerin Norina Mutzek, Januar 2022

          Evangelische Christuskirchengemeinde Bingen

          #MonatsImpuls Dezember 2021

          H. WiegersPfarrerin Waßmann-Böhm schöpft nach zwei Jahren Corona aus der Weihnachtsgeschichte neuen Mut.

          "Lassen wir die Liebe und den Frieden groß werden"

          „Es war einmal, vor langer Zeit, als das Wünschen noch geholfen hat…“ So fangen viele Märchen an und ziehen uns in eine Geschichte, in der andere Regeln gelten als in unserer Alltagswelt. Wünschen hilft hier – denn Magie macht es möglich. Eine weise alte Frau, eine Fee oder ein Zauberer wenden am Ende das Unglück ab von einem ganzen Land.

          Die Weihnachtszeit ist eine Zeit der Geschichten. Alltagsgeschichten und Märchen werden erzählt und ich bekomme durch diese Geschichten Sehnsucht danach, dass das Wünschen wieder hilft. Gerade jetzt, im zweiten Coronajahr, mit den hohen Inzidenzen, den vollen Krankenhäusern, den neuen Virusvarianten, dem erbitterten Streit zwischen Impfgegnern und Impfbefürwortern, wünsche ich mir von Herzen, dass Corona einfach verschwindet.

          Und gleichzeitig weiß ich, dass dies nicht einfach so passieren wird. Mit beidem, meiner Sehnsucht und meinem Realismus, höre ich eine andere Geschichte. Eine Geschichte, die kein Märchen ist, auch wenn in ihr ein Retter, ein Königskind, geboren wird. „Es begab sich aber zu der Zeit…“, fast wie ein Märchen beginnt die Weihnachtsgeschichte, aber dann geht es ganz klar und realistisch weiter, mitten in der Menschheitsgeschichte verortet: „…als ein Gebot vom Kaiser Augustus ausging.“ Gott kommt mitten hinein in eine Welt, die nicht heil ist, sondern eher kalt, eine Welt, in der es keinen Platz in der Herberge gibt. Mitten hinein in diese Welt verkündet der Engel: Gott ist an Eurer Seite.

          Davon wird noch nicht einfach alles gut. Am Ende der Weihnachtsgeschichte löst sich nicht, wie im Märchen, alles in Wohlgefallen auf und es werden auch nicht alle Wünsche wahr. Aber das Ende der Weihnachtsgeschichte ist ja auch nicht das Ende der Geschichte Jesu, sondern der Anfang. Es ist ein Neuanfang Gottes mit dieser Welt und mit uns Menschen. Gott sieht unsere Not und unsere Ohnmacht und stellt sich an unsere Seite in einem kleinen, hilflosen Kind.

          Lassen wir das Kind wachsen und mächtig werden bei uns. Lassen wir die Liebe und den Frieden groß werden. Gerade nach zwei Jahren Corona haben wir alle das ganz nötig. Wir brauchen Gottes Ermutigung und seinen Beistand, wo wir selbst vielleicht nur noch müde sind, oder wütend, oder resigniert. Gott ist an Deiner Seite! So gehen wir von Weihnachten gut begleitet ins Neue Jahr."


          Ihre Pfarrerin Anne Waßmann-Böhm, Dezember 2021

          Evangelische Saalkirchengemeinde Ingelheim

          #MonatsImpuls November 2021

          Chr.BrostWenn es sein – gerade in der Adventszeit – gut gefüllter Terminkalender zulässt, backt Pfarrer Brost in der Vorweihnachtszeit durchaus acht bis zehn Sorten Kekse.

          Süße Erinnerungen an Zeiten der Geborgenheit...

          Ich liebe die Adventszeit. Die Tage bis Weihnachten gehören für mich zu den intensivsten Wochen des Jahres. Weil sie so sinnlich sind. Der Glühweinduft, der Klang der altbekannten Lieder, der Geschmack von Lebkuchen. Mit ihrem Geruch, ihrem Klang, ihrem Geschmack kommen mir die Erinnerungen an gute und schlechte Weihnachtszeiten, und an Zeiten der Geborgenheit, des Staunens und der Freude als Kind.

          Der Duft dieser Erinnerungen ist eingebacken in diese Lebkuchen. So sind sie nicht nur Leckerei, sondern sollen auch erinnern an die schönen Momente. Sie enthalten viele Gewürze, die guttun und gut sind für die Gesundheit.

          Lebkuchen wurden früher in den Klöstern zur Adventszeit an die Armen und Bedürftigen verschenkt. Sie waren nicht zuerst Leckerbissen. Sie waren im wahrsten Sinne des Wortes Lebenskuchen. Sie sollten in der kalten Zeit helfen zu leben, ja zu überleben. So war eingebacken an Gewürzen, was das Herz stärkt, den Atem freihält, den Lebensgeist stärkt. So buken die Nonnen und Mönche Lebensbrote für die, denen das Leben im Winter besonders karg und bitter war. Für die Schwachen, die Alten, die Kinder. „Ich bin das Brot des Lebens“ – so sagt Jesus über sich in der Bibel, so erwarten wir sein Kommen in der Welt. „Der Heil und Leben mit sich bringt, der Heiland aller Welt zugleich“, so singen wir es im Lied, und so soll es wirklich spürbar werden. Mit diesen süßen Kuchen als Vorgeschmack auf das himmlische Heil.

          Wahrscheinlich verwandle ich auch deswegen meine Küche in der Adventszeit so gern in eine große Plätzchenfabrik. Damit Menschen durch meine Lebkuchen ein Stück vom Lebenskuchen schmecken können. Als süße Vorboten des himmlischen Heils und als kleine Helfer zur Heilung von Leib und Seele. Ich werde beim Backen und nachher beim Verschenken auf jeden Fall daran denken…

          Pfarrer Christian Brost, November 2021

          Evangelische Kirchengemeinde Heidesheim

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