Evangelisches Dekanat Ingelheim-Oppenheim

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          #MonatsImpuls Dezember 2021

          H. WiegersPfarrerin Waßmann-Böhm schöpft nach zwei Jahren Corona aus der Weihnachtsgeschichte neuen Mut.

          "Lassen wir die Liebe und den Frieden groß werden"

          „Es war einmal, vor langer Zeit, als das Wünschen noch geholfen hat…“ So fangen viele Märchen an und ziehen uns in eine Geschichte, in der andere Regeln gelten als in unserer Alltagswelt. Wünschen hilft hier – denn Magie macht es möglich. Eine weise alte Frau, eine Fee oder ein Zauberer wenden am Ende das Unglück ab von einem ganzen Land.

          Die Weihnachtszeit ist eine Zeit der Geschichten. Alltagsgeschichten und Märchen werden erzählt und ich bekomme durch diese Geschichten Sehnsucht danach, dass das Wünschen wieder hilft. Gerade jetzt, im zweiten Coronajahr, mit den hohen Inzidenzen, den vollen Krankenhäusern, den neuen Virusvarianten, dem erbitterten Streit zwischen Impfgegnern und Impfbefürwortern, wünsche ich mir von Herzen, dass Corona einfach verschwindet.

          Und gleichzeitig weiß ich, dass dies nicht einfach so passieren wird. Mit beidem, meiner Sehnsucht und meinem Realismus, höre ich eine andere Geschichte. Eine Geschichte, die kein Märchen ist, auch wenn in ihr ein Retter, ein Königskind, geboren wird. „Es begab sich aber zu der Zeit…“, fast wie ein Märchen beginnt die Weihnachtsgeschichte, aber dann geht es ganz klar und realistisch weiter, mitten in der Menschheitsgeschichte verortet: „…als ein Gebot vom Kaiser Augustus ausging.“ Gott kommt mitten hinein in eine Welt, die nicht heil ist, sondern eher kalt, eine Welt, in der es keinen Platz in der Herberge gibt. Mitten hinein in diese Welt verkündet der Engel: Gott ist an Eurer Seite.

          Davon wird noch nicht einfach alles gut. Am Ende der Weihnachtsgeschichte löst sich nicht, wie im Märchen, alles in Wohlgefallen auf und es werden auch nicht alle Wünsche wahr. Aber das Ende der Weihnachtsgeschichte ist ja auch nicht das Ende der Geschichte Jesu, sondern der Anfang. Es ist ein Neuanfang Gottes mit dieser Welt und mit uns Menschen. Gott sieht unsere Not und unsere Ohnmacht und stellt sich an unsere Seite in einem kleinen, hilflosen Kind.

          Lassen wir das Kind wachsen und mächtig werden bei uns. Lassen wir die Liebe und den Frieden groß werden. Gerade nach zwei Jahren Corona haben wir alle das ganz nötig. Wir brauchen Gottes Ermutigung und seinen Beistand, wo wir selbst vielleicht nur noch müde sind, oder wütend, oder resigniert. Gott ist an Deiner Seite! So gehen wir von Weihnachten gut begleitet ins Neue Jahr."


          Ihre Pfarrerin Anne Waßmann-Böhm, Dezember 2021

          Evangelische Saalkirchengemeinde Ingelheim

          #MonatsImpuls November 2021

          Chr.BrostWenn es sein – gerade in der Adventszeit – gut gefüllter Terminkalender zulässt, backt Pfarrer Brost in der Vorweihnachtszeit durchaus acht bis zehn Sorten Kekse.

          Süße Erinnerungen an Zeiten der Geborgenheit...

          Ich liebe die Adventszeit. Die Tage bis Weihnachten gehören für mich zu den intensivsten Wochen des Jahres. Weil sie so sinnlich sind. Der Glühweinduft, der Klang der altbekannten Lieder, der Geschmack von Lebkuchen. Mit ihrem Geruch, ihrem Klang, ihrem Geschmack kommen mir die Erinnerungen an gute und schlechte Weihnachtszeiten, und an Zeiten der Geborgenheit, des Staunens und der Freude als Kind.

          Der Duft dieser Erinnerungen ist eingebacken in diese Lebkuchen. So sind sie nicht nur Leckerei, sondern sollen auch erinnern an die schönen Momente. Sie enthalten viele Gewürze, die guttun und gut sind für die Gesundheit.

          Lebkuchen wurden früher in den Klöstern zur Adventszeit an die Armen und Bedürftigen verschenkt. Sie waren nicht zuerst Leckerbissen. Sie waren im wahrsten Sinne des Wortes Lebenskuchen. Sie sollten in der kalten Zeit helfen zu leben, ja zu überleben. So war eingebacken an Gewürzen, was das Herz stärkt, den Atem freihält, den Lebensgeist stärkt. So buken die Nonnen und Mönche Lebensbrote für die, denen das Leben im Winter besonders karg und bitter war. Für die Schwachen, die Alten, die Kinder. „Ich bin das Brot des Lebens“ – so sagt Jesus über sich in der Bibel, so erwarten wir sein Kommen in der Welt. „Der Heil und Leben mit sich bringt, der Heiland aller Welt zugleich“, so singen wir es im Lied, und so soll es wirklich spürbar werden. Mit diesen süßen Kuchen als Vorgeschmack auf das himmlische Heil.

          Wahrscheinlich verwandle ich auch deswegen meine Küche in der Adventszeit so gern in eine große Plätzchenfabrik. Damit Menschen durch meine Lebkuchen ein Stück vom Lebenskuchen schmecken können. Als süße Vorboten des himmlischen Heils und als kleine Helfer zur Heilung von Leib und Seele. Ich werde beim Backen und nachher beim Verschenken auf jeden Fall daran denken…

          Pfarrer Christian Brost, November 2021

          Evangelische Kirchengemeinde Heidesheim

          #MonatsImpuls Oktober 2021

          U.RauFlüchtlingsseelsorger Uwe Rau an dem Ort einer ganz und gar unerwarteten Begegnung

          Gesegnet von Gott

          Auf der Nachhausefahrt nach einem langen Arbeitstag. Der Tank ist fast leer. Ich halte an einer Tankstelle. Mit einem Kassenbon für 53 Liter Super und einer Tüte Chips verlasse ich den Tankstellenshop, zurück zum Auto kommt mir eine Frau entgegen, mit Kappe auf den langen Haaren und einem dicken Tropfen Spucke am Kinn. Sie steuert auf mich zu, ich merke, wie ich ihr am liebsten ausweichen möchte, aber da ist es schon zu spät.

          „Hast du einen Euro für mich?“ „Ja. Warte“. In meiner Geldbörse sind 80 Cent. „Ich habe nur so viel“. „Das macht nichts“. „Warte!“ In meinem Auto finde ich noch mehr Kleingeld, gebe es ihr. Sie nimmt das Geld in ihre offene Hand, antwortet: „Sei gesegnet, sei gesegnet, sei gesegnet, sei gesegnet…“ Immer wieder. Nach einer Weile sage ich: „Danke!“ Sie blickt mich an. „Sei du auch gesegnet.“ „Geht nicht, ich bin Gott.“ „Oh!“ Ich bin verblüfft. Dann besinne ich mich. „Hab ganz besonderen Dank für deinen Segen!“ Sie geht los in Richtung Shop, dreht sich noch mal um. „Und du bist ein Engel, dass du`s weißt.“ Ich sehe ihr nach bis sie hinter den Schiebetüren des Shops verschwindet.

          So also sieht Gott aus, denke ich noch. Ich bin überrascht und berührt. So anders als ich erwartet hatte verlief diese Begegnung. Gottes Segen begleitet mich. Das vergesse ich nicht mehr. Ich freue mich daran, wie oft ich seitdem wahrnehme, dass ich gesegnet werde, von Gott in Menschen mit den unterschiedlichsten Gesichtern, Hautfarben, Worten. Dabei kommt das Wort Segen kaum vor, schon aber seine Wirkung. Ich habe eine neue Aufmerksamkeit dafür gewonnen. Ich achte auf Begegnungen mit Gott, nicht nur an Tankstellen. Und ich bin gern ein Engel.

          Pfarrer Uwe Rau, Flüchtlingsseelsorger

          #MonatsImpuls September 2021

          Von der Dankbarkeit predigen zu dürfen – oder – warum ich so gerne in der Kanzel stehe

          "Ich stehe gerne in der Kanzel, nicht, weil ich mich für einen so begnadeten Predigtschreiber oder Rhetoriker halte, sondern weil ich finde, dass die Bibel an und für sich Poesie ist. Und so ist auch das Predigt schreiben für mich eine Form von Poesie. Denn hier muss ich Worte finden, die vom Leben sprechen in der Gewissheit, dass alles Leben vor Gott stattfindet. Das ist für mich ein poetologisches Programm, denn ich spreche aus diesem einmal von Gott gesprochenen Wort weiter in der Kirche, wo sich Menschen seit fast 2000 Jahren von Jesus begeistern lassen.

          Nun bin ich erst seit kurzem Pfarrer in Eimsheim und Uelversheim, dennoch hat mich ein kleines Erlebnis dazu angeregt, dieses besondere Privileg, zu den Menschen über Gott sprechen zu dürfen, noch bewusster wertzuschätzen. Neulich erst, meine Konfis aus den Bergkirchengemeinden und ich in Uelversheim in der „merkwerdischen Kersch“! Pfarrer Schneider mit der Super-Idee. Heute dürft ihr mal ausprobieren, wie das ist eine „echte Predigt“ vorzutragen. Also eine, die ich in diesem im Ringbuch mitgebracht habe. War noch darin abgeheftet von einem der der letzten Gottesdienste.

          Ich frage in die Runde: Und, wer traut sich? Bange Blicke erst. Dann ein plötzlicher mächtiger Schub an Selbstbewusstsein, der da Stimme bekommt und ruft: Mach ich, Herr Schneider. Und schwups – stand das Mädchen oben auf der Kanzel und las aus einer meiner letzten Predigten. Hat sie echt gut gemacht. Aber dann der ultimative Test. Das wollte ich dann doch noch herausbekommen. Also, was eigentlich angekommen ist bei den jungen Menschen von dem, was ich unumgänglich wichtig fand in der Predigt. Nie und nimmer kürzer zu fassen.

          Und ich forderte das Mädchen auf: Lies doch bitte noch mal den ersten Absatz und sage dann mal mit eigenen Worten, was du findest, was da eigentlich steht. Und sie las die ungefähr zehn bis fünfzehn Zeilen noch einmal vor. Vollgepackt mit theologischem Wissen über Paulus, den Apostel. Dann überlegte sie. Wollte erst nicht mit der Sprache rausrücken. Und dann sagte sie entschieden: Herr Schneider, da steht: Liebe Gemeinde, danke dass ich heute bei Ihnen predigen darf. Das fand ich ganz wunderbar. Das kann ja ein Gedanke sein, an den ich mich halten kann. Ein Tipp, den ich wenigstens versuchen kann, besser zu machen. Das habe ich da begriffen: Es geht um das Wesentliche. Und es geht um die Beziehungsebene zwischen uns Menschen. Das hat mir die Konfirmandin vor Augen geführt."

          Pfarrer Lars Schneider, September 2021

          Evangelische Kirchengemeinde Uelversheim / Eimsheim

          #MonatsImpuls August 2021

          Das Schönste an Ingelheim

          "Die ersten fünfzehn Minuten kosten Überwindung, jeden Tag von neuem. Es geht ziemlich bergauf beim Laufen, häufig blendet auch die Morgensonne. Dann aber der weite Ausblick über das Rheintal. Nur an wenigen Stellen ist jetzt um diese Jahreszeit der Flusslauf zu sehen. „Das Schönste an Ingelheim ist der Blick in den Rheingau“ – sagen die Rheingauer. Als Neu-Ingelheimer möchte ich da kein vorschnelles Urteil sprechen. Jeden Tag könnte ich mich aber von neuem über die drei Geisenheimer Hochhäuser aufregen, eine Bausünde aus den 1970er Jahren, die wie überdimensionierte Schuhkartons aufrecht in der Landschaft stehen.

          Die dampfenden Schornsteine von Boehringer hingegen empfinde ich als Symbole pulsierenden Lebens. Mit großer Hochachtung höre ich die Menschen von diesem Unternehmen sprechen, das vielen Bewohnern Wohlstand − und der Stadt die Schuldenfreiheit ermöglicht. In unmittelbarer Nachbarschaft des Pharmabetriebs, von mir aber nicht zu erkennen, befindet sich die „Gewahrsamseinrichtung für Ausreisepflichtige“ mit ihren vierzig Haftplätzen, menschlichen Schicksalen. An manchen Tagen dringt das Rauschen der Autobahn an mein Ohr. Deutlich zugenommen hat wieder der Flugverkehr seit dem Beginn der Sommerferien.

          Noch immer aber sind in der Luft die Dohlen in der Mehrzahl. Sie schrecken auf, wenn ich näherkomme. Bin ich schon sehr zeitig unterwegs, dann nimmt auch einmal ein Kaninchen Reißaus. Einzig die vielen Weinbergschnecken zeigen sich unbeeindruckt. Manchmal höre ich Stimmen, wenn in den Weinbergen oder Obstplantagen gearbeitet wird. Es sind Menschen meist osteuropäischer Herkunft. Ich erschrecke, wenn ich von einem schnelleren Läufer überholt werde, der sich fast lautlos angenähert hat. Täglich bin ich mit der deutschen Geschichte konfrontiert, blicke zum Niederwald-Denkmal und zum Bismarckturm. Noch weiß ich wenig von einem meiner Amtsvorgänger, der sich für den Bau des letzteren sehr ins Zeug gelegt hat.

          Ganz links erkenne ich die Rochuskapelle, oberhalb von Rüdesheim das Kloster Eibingen, im Vordergrund, unweit der Burgkirche, den sehr modernen Glockenturm der katholischen St. Michaelskirche. Ich denke an den Veränderungsdruck, unter dem die katholische Kirche derzeit steht, frage mich aber auch, wie groß die „Region“ sein wird, in der ich als evangelischer Pfarrer bald arbeiten werde. Mir fällt Mose ein, der vom heute jordanischen Berg Nebo aus auf das Jordantal blickte. Gott, so heißt es in der alten Geschichte, ließ ihn das Gelobte Land zwar sehen, aber er durfte es nicht mehr betreten. Ich jedoch kehre gestärkt und getröstet, manchmal auch mit neuen Ideen oder Fragen, in meine kleine Ober-Ingelheimer Welt zurück. Ja, es tut gut, etwas Abstand zu haben und zu früher Stunde bereits den Überblick zu gewinnen. Für mich ist es eine Art zu beten."

          Pfarrer Frank Seickel, August 2021

          Evangelische Burgkirchengemeinde Ingelheim

          #MonatsImpuls Juli 2021

          B.GnammFür Pfarrerin Bärbel Gnamm bietet ein Spaziergang durch die Groß-Winternheimer Weinberge Gelegenheit zum Durchatmen.

          Den Atem wieder finden und den eigenen Rhythmus entdecken

          "Sommerferien – die Zeit, durchzuatmen und  Kraft zu schöpfen für die kommende Zeit. Die Corona-Pandemie hat unser öffentliches Leben hinter Masken verschwinden lassen und gefühlt hat sie uns auch oft den Raum zum frei Durchatmen genommen.

          Im Matthäusevangelium (Mt 11,26) heißt es: Kommt zu mir, ihr alle, die ihr euch plagt und von eurer Last fast erdrückt werdet; ich werde sie euch abnehmen.

          Frei sein sollen wir von dem, was uns das Leben schwer macht und aufatmen:  Beim Atmen hat jede*r von uns seinen ganz eigenen Rhythmus – für das Ein- und das Ausatmen und wir wissen auch, wie schnell uns etwas außer Atem bringen kann, uns nach Luft schnappen, nach Atem ringen lässt oder gar die Luft zum Atmen nimmt.

          Die Bibel erzählt in den Schöpfungsgeschichten, dass nicht nur der Mensch seinen Rhythmus hat, sondern die ganze Schöpfung in einem bestimmten Rhythmus schwingt. „Am Anfang“, so heißt es, „schuf Gott Himmel und Erde“ - Sechs Tage hat er dazu gebraucht, und am siebten Tag hört er auf, ruht er. Das soll auch für unser Leben gelten. Alles, was lebt, darf Atem holen und soll sich an den erinnern, der diesen Atem geschenkt hat. Das ist unser Sonntag – und auch Zeiten wie der Sommer, unsere Urlaubstage sind solche Ruhetage:

          Das heißt für uns, dass wir Aufatmen können, Luft holen, den Atem wieder finden und den eigenen Rhythmus entdecken – so sind wir am Pulsschlag des Lebens und respektieren ihn auch: das Tun und Lassen, das Ein- und das Ausatmen, das Säen und das Ernten. Wir müssen nicht immer noch mehr leisten und produzieren und das von uns selbst, der Natur und anderen verlangen, sondern uns und unserer Umwelt Zeiten der Ruhe und Erholung gönnen.

          Frei sein sollt ihr von dem, was euch plagt und erdrückt und aufatmen! Das ist die Einladung und das Geschenk, das uns am Morgen und in der Nacht begleitet, vom Anfang bis zum Ende unseres Lebens.

          Ich wünsche Ihnen eine schöne, freie Sommerzeit zum Durchatmen, den Rhythmus (wieder)finden und den Puls des Lebens spüren. Und seien Sie gewiss: Gott ist mit uns in jedem Atemzug, weil sein Herz für uns schlägt."

          Pfarrerin Bärbel Gnamm, Juli 2021

          Evangelische Kirchengemeinde Groß-Winternheim - Schwabenheim

          #MonatsImpuls Mai 2021

          H.WiegersDer Weinstock ist für ihn insbesondere ein Symbol für Sicherheit und Perspektive: Dekan Olliver Zobel.

          Ein Bibelvers voller Hoffnung und Perspektiven

          „Ich bin der Weinstock, Ihr seid die Reben" (Joh 15,5), das ist ein vertrautes Bibelwort – gerade hier in unserer rheinhessischen Weingegend. Aber ich liebe diesen Vers, denn er schenkt mir Sicherheit und Perspektive. Als Rebe wachse ich nämlich an und aus dem Weinstock – ich darf mich also tief verwurzeln in Gott. Ich darf spüren, wie Gott mich trägt, wie Gott mich versorgt – mit dem Wasser des Lebens und den Nährstoffen, die ich zum Leben brauche.

          Doch dieser Vers gibt mir auch eine Perspektive, eine Hoffnung. Denn nicht direkt am Weinstock, sondern an der Rebe wachsen die Früchte. Das unterstreicht Christus im weiteren Vers: Wenn ich mit ihm gut verbunden bin, dann können Früchte an mir und durch mich wachsen. Gott will durch uns handeln, den Menschen helfen und nahe sein. Gott will sie durch uns trösten und ihnen Orientierung schenken. Und wenn das gelingt – in all dem Alltäglichen, dann ist wieder eine kleine Frucht gewachsen, durch mein Handeln und meinen Einsatz, aber eben nur, weil ich letztlich tief verwurzelt in Gott bin.

          Wenn ich in diesen Tagen durch die Weinberge fahre, fällt mir aber noch etwas auf. Die Weinstöcke wurden geschnitten, an vielen ist nur noch eine Rebe, die nun im Bogen geheftet wurde und an der die Knospen gerade aufbrechen. Sie wird sich wieder verzweigen und aus dem Weinstock werden noch einige neue Reben hervorsprießen. Für mich ein Hinweis, dass die Erneuerung, die Veränderung zum Weinstock dazu gehören – gerade damit er viel Frucht bringen kann. Der Rückschnitt führt letztlich dazu, dass wieder Raum ist – für neues Wachstum.

          Vielleicht befinden wir uns ja kirchlich gerade in einer ähnlichen Situation. Die Reben sind gewachsen, haben viele Früchte gebracht, für die wir alle dankbar sein können. Doch nun steht der Frühjahrsschnitt an, damit wieder Platz geschaffen wird für neue Reben. Gewiss tut es weh, wenn man sieht, was da alles gerade weggeschnitten wird. Doch diese „kahlen“ Weinstöcke tragen die Hoffnung und das Potential in sich, dass sie über den Sommer wachsen werden und viele Früchte tragen.

          Deswegen ist mir auch im ganzen Reformprozess um die Kirche nicht bange – denn auch sie ist fest verwurzelt in Gott, der sie in Christus gegründet hat. Sie hat eine gute Basis und einen Halt, einen Stifter, der sie mit seinem Segen und seinem Heiligen Geist begleiten wird und so wird sie wieder treiben und viele Früchte bringen – schön, dass ich ein Teil davon sein kann.

          Pfarrer Olliver Zobel, Mai 2021

          Dekan des Evangelischen Dekanats Ingelheim-Oppenheim

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