© fundus / Immanuel Malcharzyk

#MonatsImpulse

Liebe Leserin, lieber Leser, hier lesen Sie am jeweils letzten Freitag im Monat einen neuen #MonatsImpuls, geschrieben von unseren Haupt- und Ehrenamtlichen im Evangelischen Dekanat Ingelheim-Oppenheim. Sie möchten noch mehr über das kirchliche Leben im Dekanat erfahren?

Abonnieren Sie hier gerne unseren Newsletter!


#Monatsimpuls März 2026

Und plötzlich wird es heller …

Gemeindepädagogin Kim Zimmermann über die Hoffnung und den Neuanfang, der Ostern für sie bedeutet.

Der April fühlt sich oft ein bisschen wie ein Neuanfang an. Nach den dunklen Monaten wird es draußen heller, die ersten Blumen blühen, und irgendwie kommt wieder mehr Leben zurück. Vielleicht kennst du / kennen sie dieses Gefühl auch: Wenn nach einer anstrengenden Zeit plötzlich wieder Hoffnung da ist.

Manchmal hilft schon ein kleiner Perspektivwechsel. Wenn ich an Orte denke, an denen ich richtig durchatmen kann, kommt mir die Landschaft der Toskana in den Sinn: weite Felder, warme Farben, einfach ein bisschen mehr Ruhe. Da merkt man: Das Leben ist größer als das, was uns gerade beschäftigt.

So ähnliche Momente erlebe ich auch in meiner Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Nicht immer läuft alles rund – Streit, schlechte Laune, Sorgen. 

Und dann passiert etwas ganz Einfaches: Wir spielen zusammen, lachen, hören eine Geschichte oder reden über Gott. Und auf einmal wird es leichter. Nicht perfekt – aber heller.

Genau darum geht es auch an Ostern. Die Geschichte fängt eigentlich ziemlich hoffnungslos an. Die Freundinnen und Freunde von Jesus denken: Das war’s. Nun ist es vorbei. Und dann kommt die Überraschung: Das Grab ist leer. Jesus lebt. Die Hoffnung gewinnt.

In der Bibel gibt es diesen Satz: „Siehe, ich mache alles neu.“ Er ist die Jahreslosung, die uns durch dieses Jahr begleitet. Für mich heißt das: Gott hat immer noch Möglichkeiten, selbst wenn wir keine mehr sehen. Manchmal ganz leise – wie die ersten Knospen im Frühling. Aber sie sind da.

Vielleicht ist Ostern genau diese Einladung: darauf zu vertrauen, dass nach dunklen Zeiten wieder Licht kommt. Dass ein Neuanfang möglich ist. 

Und dass wir mit unseren Gefühlen nicht alleine sind – egal, wie unsere Situation gerade aussieht.

Ich wünsche dir / ihnen in diesem April viele kleine Momente, in denen du merkst / sie merken: Es wird heller. Das Leben wächst weiter. Und Gott geht mit – Schritt für Schritt, Tag für Tag.


#Monatsimpuls Februar 2026

"Gottes liebender Blick auf die Welt soll in dieser Fastenzeit die eigene Sicht schärfen"

Pfarrer Linus Maurer sieht die Fastenzeit als Chance einer neuen Orientierung und gegenseitigen Anteilnahme

Die Fastnachtszeit ist vorbei und mein Appetit auf Kreppel ist gestillt. Jetzt beginnt die Fastenzeit am 18. Februar und damit die Frage: Worauf möchte ich in diesem Jahr bis Karsamstag verzichten? Vielleicht auf einige meiner Gewohnheiten – zum Beispiel das eher betäubende Scrollen durch Instagram am späten Abend? Beim Fasten steht oft die Besinnung auf den eigenen Körper und Geist im Vordergrund – eine innere Heilung durch gezielten Verzicht. Routinen und Abhängigkeiten werden unterbrochen, um sich für neue Wege und neue Perspektiven auf das eigene Leben zu öffnen.

Als neuer Pfarrer hier in Ingelheim habe ich den Eindruck, dass auch in unseren Gemeinden auf manches Vertraute und Gewohnte verzichtet werden muss. Man könnte fast von einer kirchlichen Fastenzeit sprechen. 

Routinen werden unterbrochen und Gewohntes hinterfragt. Möglicherweise können aber auch gerade dadurch neue Wege und Perspektiven entstehen, die bisher nicht im Blick waren.

Eine für mich sehr bewegende Perspektive auf das Fasten eröffnet das Buch Jesaja: „Das wäre ein Fasten, wie ich es liebe: Löst die Fesseln der zu Unrecht Gefangenen, bindet ihr drückendes Joch los! Lasst die Misshandelten frei und macht jeder Unterdrückung ein Ende! Teilt euer Brot mit dem Hungrigen, nehmt die Armen und Obdachlosen ins Haus auf. Wenn du einen nackt siehst, bekleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Nächsten!“ (Jesaja 58,6-7)

Diese biblischen Worte fordern einen Verzicht auf das, was andere Menschen ins Elend führt. Im bewussten Zurücktreten kann die Zeit des Fastens den Blick dafür öffnen, was andere Menschen brauchen. Im Licht dieser Worte wird die Fastenzeit weniger zu einer Besinnung auf den eigenen Körper und Geist, sondern vielmehr zu einer Achtsamkeit für die Bedürfnisse anderer. Das bedeutet für mich konkret: Mein Daddeln am Smartphone ist nicht nur ein sinnloser Zeitvertreib. Es isoliert mich, zumindest zeitweise, von den Bedürfnissen meiner Familie und meiner Mitmenschen. Der Verzicht darauf kann dazu führen, mich auf Aspekte meines Lebens zu besinnen, die wirklich wichtig sind.

Die Fastenaktion der evangelischen Kirche „7 Wochen ohne“ greift diesen Gedanken auf. Unter dem diesjährigen Motto „Mit Gefühl! Sieben Wochen ohne Härte“ wird dazu eingeladen, den mitfühlenden Umgang mit anderen Menschen und mit der Schöpfung neu einzuüben. Gottes liebender Blick auf die Welt soll in dieser Fastenzeit die eigene Sicht schärfen – für ein gemeinsames Leben in gegenseitiger Anteilnahme.

So wird die Fastenzeit zu einer Phase der Orientierung: für unser eigenes Leben und für uns als Gemeinde. Eine Zeit, in der nicht nur der Verzicht im Vordergrund steht, sondern auch die Frage, wie wir unser Zusammenleben in der Familie, in unserer Gemeinde und in unserer Gesellschaft bewusst und verantwortungsvoll gestalten wollen.

#Monatsimpuls Januar 2026

Wie der Glaube in unsicheren Zeiten Sicherheit gibt

Pfarrerin Anja Krollmann über den Schatz kirchlicher Rituale

Vor wenigen Monaten bin ich umgezogen, aus dem kleinen Dorf Kettenheim ins Städtchen Oppenheim, mitten in die Altstadt hinein. Der Wechsel meines Arbeitsplatzes brachte den Umzug mit sich. Es fiel mir schwer, das barocke Pfarrhaus mit dem alten Baumbestand auf dem 3000 Quadratmeter großen Grundstück am Rande des Dorfes zu verlassen und in das andere Haus nach Oppenheim mit den engen Sträßchen und aneinander gereihten Altstadthäusern zu ziehen. Wie sehr würde mir wohl der Ausblick auf die Weinberge und Äcker fehlen, den ich von jedem Fenster des Kettenheimer Domizils aus gewohnt war? Und wie würde meine betagte Hundedame, die nun meinetwegen ihr gewohntes Terrain verlassen musste, sich in der neuen Umgebung einleben? Da gab es Sorgen, die mir zu schaffen machten. Zugleich war ich gespannt auf das Neue, das mich erwartete, schließlich hatte ich den Wechsel selbst herbeigeführt.

So kam ich mit all den Umzugskartons, die es auszupacken galt, in die für mich noch ungewohnte Wohnung, in der nicht alle Möbel, die ich mitbrachte, sofort aufgebaut, nicht alle Kisten ausgepackt werden konnten, etwa, weil die Arbeitsplatte der neu zu stellenden Kücheneinrichtung erst bestellt werden musste, oder, weil in dem von den Großeltern ererbten Buffet der Holzwurm drin war. Diesem sollte erst noch der Gar ausgemacht werden, bevor das antike Möbelstück ins Haus gebracht werden konnte. Step by step, Schritt für Schritt, lautete das Motto.

Ich war noch keine Woche in der neuen Wohnung, da kündigte sich Besuch an: Eine Frau aus der Nachbarschaft kam und brachte ein frisch gebackenes Brot und ein Päckchen Salz, der typische Willkommensgruß zum Einzug. Der Ursprung dieses Brauchs liegt, wie man nachlesen kann, im Mittelalter: Brot und Salz, die wichtigsten Grundnahrungsmittel, verbinden sich mit dem Wunsch von Glück, Wohlstand und Sicherheit. Brot symbolisiert Nahrung und Fülle. Salz steht für Würze, Wert und Beständigkeit, soll aber auch vor bösen Geistern schützen. Christlich gedeutet erinnert Brot an die Bitte im Vater Unser „Unser täglich Brot gib uns heute.“ (Matthäusevangelium, Kapitel 6, Vers 11). Salz ist das Bildwort in einer der Reden Jesu an seine Jüngerinnen und Jünger: „Ihr seid das Salz der Erde.“ (Matthäusevangelium, Kapitel 5, Vers 13).

Als die Nachbarin ihre Tüte mit den segensreichen Gaben darin, ihren guten Wünschen zum Einzug und schnellen Eingewöhnen in der neuen Umgebung überbrachte, lud ich sie spontan zum Tee ins Wohnzimmer ein, das dank meines Mannes schon fertig eingerichtet war. Wir saßen beisammen, unterhielten uns und lernten  

einander kennen, ein erster Schritt auf dem Weg in eine neue Gemeinschaft, in ein Sich-nicht-mehr-fremd-Fühlen war gemacht. Als Silvester kam, standen wir: die Nachbarin, ihr Ehemann, mein Mann und ich, auf dem Vierungsturm der Oppenheimer Katharinenkirche, sahen von dort aus das Feuerwerk und stießen auf das neue Jahr mit Sekt an. Wir hatten einen schönen Anfang von 2026.

Begonnen hatte diese neue Freundschaft mit einem alten Ritual. Es hat mich daran erinnert, wie wichtig Rituale sind, um Übergänge zu gestalten, und wie viel Wert vor allem die traditionellen Rituale unserer Kirche haben: Durch die Trauung wird das Zusammenleben zweier Menschen unter den Segen Gottes gestellt, verbunden mit allen guten Wünschen durch die gottesdienstfeiernde Gemeinde, die extra zu diesem Anlass versammelt ist. Bei der Taufe erbitten wir Gottes Geleit für den in die Gemeinschaft der Kirche aufgenommenen Menschen. Wenn der Getaufte ein Kind ist, beten wir auch für seine Eltern, Paten, Verwandte und Freunde. Als Kirchengemeinde machen wir uns mit dem Getauften und dessen Familie gemeinsam auf den Weg, wollen Begleitung und Unterstützung anbieten. 

Für die Konfirmandinnen und Konfirmanden gibt es den Segen beim Übergang der Kindheit ins Erwachsensein. Auch dieser Ritus ist wichtig, nicht nur für die Jugendlichen, die möglichst schon in der auf die Konfirmation vorbereitenden Konfi-Zeit erfahren sollen: „Du bist nicht allein, Gott steht Dir bei und begleitet Dich auf Deinem Weg! Du bist in eine Gemeinschaft gestellt, Gottes Kirche, die für Dich offenbleibt, auch wenn Wege nach der Konfirmation vielleicht erst einmal auseinandergehen.“ Wichtig ist dieses Ritual oft auch für die Eltern, sie erleben Ermutigung beim Festgottesdienst, in dem ihnen zugesagt wird: „Ihr dürft Euer Kind getrost eigene Wege gehen lassen. Gott bleibt an seiner Seite.“

Dieselbe Zusage hören Familien im Gottesdienst beim Abschied vom Kindergarten oder im Einschulungsgottesdienst. Auch diese Feiern sind Rituale, die einen Übergang gestalten. Solche anlassbezogenen Gottesdienste werden von Familien, so erlebe ich es, gerne besucht und, wo sie nicht stattfinden, eingefordert. Wertvoll ist vielen die kirchliche Begleitung beim Abschiednehmen, wenn wir einen nahestehenden Menschen loslassen müssen. Wo es ans Sterben und Trauern geht, finden Menschen Hoffnung und Trost in Worten der Bibel, haben wir als Kirche einen reichen Schatz zu geben: Rituale, die in schweren, sogar entwurzelnden Situationen Halt geben. 

Schätzen wir unsere Rituale nicht gering, halten wir sie hoch und lassen wir sie, wo sie fehlen, wiederaufleben! Pfarrerinnen und Pfarrer haben eine breite theoretische und praktische Kompetenz, die sie zu Fachleuten für Rituale macht. Zur Seelsorge gehören Kenntnisse 

in Psychologie, zum Theologiestudium Prüfungen in Bibelkunde und Philosophie. Als Theologiestudierende beschäftigen sie sich mit den existentiellen Fragen des Lebens und verschiedenen Antworten darauf. Unterstützt von kirchlich ausgebildeten Ehrenamtlichen, Lektorinnen und Prädikanten haben sie den Menschen ein rundum, von der Wiege bis zur Bahre begleitendes Netz anzubieten, das in schwierigen Situationen Sicherheit und Hilfe bietet. Lassen wir als Expertinnen und Experten dieses Netz sichtbar und spürbar werden! 

Gerade in dieser Zeit, die viele als unsicher empfinden, in der Firmen vor dem Aus stehen, Arbeitsplätze und Existenzen bedroht sind, wo Kriege in der Welt das Leben angreifen und auslöschen, da können wir als Kirche etwas entgegensetzen: die Liebe und Freundlichkeit Gottes, die uns im menschgewordenen Gott, Jesus Christus, begegnen und durch seine Jüngerinnen und Jünger bis heute erlebt werden, auch in den Ritualen, die uns als Tradition mitgegeben sind. Bei der Segensstation des Evangelischen Dekanats Ingelheim-Oppenheim auf dem Weihnachtsmarkt in Oppenheim im vergangenen Jahr haben viele Passanten und Besucherinnen Gottes Zuspruch und Geleit in Gestalt kirchlicher Haupt- und Ehrenamtlicher erfahren dürfen: Segen wurde zugesprochen, Gespräche wurden geführt, Engelsbilder gemacht und mitgegeben. Dieses lebensfreundliche Angebot der evangelischen Kirche nahmen viele Menschen wahr. 

Sicher können wir diesen Schatz kirchlicher Rituale anreichern, etwa mit Riten, die es noch nicht gibt, weil sie eine bisher unbeachtete Situation in Blick nehmen. Womöglich hat jemand ein Konzept für ein Übergangsritual bei Scheidungen, beim Beginn der Wechseljahre der Frau oder dem Eintritt in den Ruhestand. Lassen Sie uns gemeinsam auf Schatzsuche gehen! Ich bin gespannt, was wir entdecken, denn eines ist sicher: Bei Gott gibt es keinen Stillstand, kein Verharren in alten Mustern. Gott ist offen für Entwicklung und Neues, gemäß dem Bibelspruch, der als Losung über diesem Jahr geschrieben steht. Im Buch der Offenbarung, Kapitel 21, Vers 5 können wir es nachlesen oder uns zusagen lassen: „Siehe, ich mache alles neu.“

#Monatsimpuls Dezember 2025

"Fürchte Dich nicht!"

Gedanken unserer stellvertretenden Dekanin und Tourismusseelsorgerin, Pfarrerin Vanessa Bührmann zum Engelswort “Fürchte Dich nicht!”

Fürchte dich nicht! – Aber es gibt doch so viel zu fürchten! Schon als Jesus geboren wurde, war das so. Heute ist es nicht anders: in der Welt, in der Geburtskirche in Bethlehem, in unserer Kirche, in unseren Häusern. Dinge, die Angst machen, weil wir sie nicht in der Hand haben. Veränderungen, deren Ende wir nicht absehen können. Worte, die wir nicht aussprechen, weil sie andere irritieren oder verletzen könnten, oder weil wir selbst zu viel von uns preisgeben würden.

Fürchte dich nicht! Unter dieses Motto haben wir unseren Segensstand auf dem Adventsmarkt in Oppenheim gestellt. Dort konnten sich Menschen als Engel fotografieren lassen oder eine Engelspostkarte mitnehmen. Manche erzählten uns sogar, wovor sie Angst haben oder wem sie die Furcht gerne nehmen würden. 

Mit unserer Aktion wollen wir die Menschen an das erinnern, was der Engel in der Weihnachtsgeschichte sagt: Fürchtet euch nicht, euch ist heute der Heiland geboren! Denn ‚Fürchte dich nicht!‘, das kann man sich nicht selbst sagen. Das muss ein Gegenüber tun. Und weil man manchmal gerade die wichtigen Dinge vergisst, gab es ein Armband mit einem Engelsflügel zum Mitnehmen.

Fürchte dich nicht! Ich frage mich, was passieren würde, wenn ich mich an dieses Versprechen, diese Aufforderung, halten würde. Und mich einfach mal nicht fürchte. Nur für heute. So, wie es Papst Johannes XXIII. in seinen ‚10 Geboten der Gelassenheit‘* schreibt.

Nur für heute entscheide ich mich für das, was ich für gut und sinnvoll erachte – und nicht für das, was Unangenehmes vermeidet.

Nur für heute gehe ich mutig neue Wege und entdecke dabei vielleicht neue Seiten an anderen und an mir selbst.

Nur für heute höre ich dem anderen zu und höre wirklich hin, anstatt aus Angst auf meinen eigenen Ansichten zu beharren.

Nur für heute stehe ich zu meiner Haltung – für andere und für mich selbst.

Nur für heute fürchte ich mich nicht und schaue auf die wunderbaren Erzählungen über unseren Gott und glaube daran, dass sie genau heute, jetzt, in diesem Moment etwas bewirken.

Und für einen Moment halte ich es für möglich, dass irgendwo auf der Welt Frieden beginnt – in einem Hinterzimmer, bei einer Verhandlung, an einem Küchentisch. Es wäre möglich. Vielleicht genau jetzt.

Pfarrerin Vanessa Bührmann
Stellvertretende Dekanin und
Tourismusseelsorgerin

Wir alle brauchen dieses ‚Fürchte dich nicht!‘. Sonst könnten wir unser Leben nicht leben. Schon Eltern trösten so ihre Kinder. Damit geht die Angst vermutlich nicht weg. Aber sie wird kleiner und setzt unser Leben in Relation. Die Angst bestimmt nicht mehr unser Tun. Wie gut, dass wir das jedes Jahr wieder hören!

Fürchtet euch nicht! Durch Ihre Worte und Ihr Tun haben Sie im letzten Jahr auf unterschiedliche Weise die Hoffnung in das Dekanat gebracht, mit uns gemeinsam kooperiert und uns unterstützt. Dafür bedanken wir uns herzlich bei Ihnen. Lassen Sie uns auch weiterhin gemeinsam diese Botschaft in die Welt tragen – an all die Orte, an denen wir unterwegs sind als Christenmenschen. Und weil man es sich selbst nicht sagen kann, sagen wir es noch einmal zu Ihnen, zu Euch:

Fürchte dich nicht! Dir ist der Heiland geboren.

Fröhliche und gesegnete Weihnachten


#MonatsImpuls November 2025

„Mache dich auf, werde licht; denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des Herrn geht auf über dir.“

Gedanken von unserer gemeindepädagogischen Mitarbeiterin Conny Abdullah zu Jesaja 60,1

Advent.
Das ist mehr als nur Kerzen, Plätzchenduft und Glitzerlichter. Advent bedeutet für mich: Gott ist unterwegs – und ich darf mich mit auf den Weg machen. Dazu ruft uns auch das alte Adventslied „Mache dich auf und werde licht“ auf.  Es ist wie ein Weckruf mitten in die Dunkelheit hinein. Vielleicht kennen Sie das ja auch: Manchmal fühlt sich alles ein bisschen grau an – die Tage kurz, der Alltag voll, die Welt unruhig. Und dann ruft Gott: Mach dich auf! Wach auf! Ich bin schon unterwegs zu dir!

Das ist Advent für mich:  Nicht stehenbleiben, sondern aufbrechen, weil Hoffnung sich bewegt.

Auch ich bin jemand, der schon viel unterwegs war. In Sachsen geboren und aufgewachsen, in Berlin studiert, an der Ostsee in Mecklenburg und zuletzt im Sauerland gearbeitet. Zwischendurch wunderbar gereist. Dabei war und ist mir sowohl beruflich als auch privat die 

Begegnung mit Menschen wichtig. Hinhören, austauschen, mitfühlen, verstehen, diskutieren, Erkenntnisse und Erfahrungen sammeln. Und nun bin ich seit dem 1. September hier im Dekanat angekommen und durfte erste Wege gehen, viele Begegnungen erleben und erste Lernmomente erfahren. 

Ehrlich gesagt, waren all die Wege, die ich gegangen bin, nicht immer leicht. Es gab Abschiede, Neubeginne, Unsicherheiten, Konflikte, Rückschläge und Entscheidungen. Und gleichzeitig auch Momente des Staunens und Vertrauens, der Freude und Zuversicht. Auf all diesen Wegen hat mich mein Tauf- und Konfirmationsspruch - mein Lebensspruch aus Römer 8,28 wie ein Kompass begleitet: „Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen.“ Für mich bedeutet das: Selbst, wenn etwas nicht nach Plan läuft – Gott hat mich im Blick. Er lässt nichts umsonst sein. Er kann aus Bruchstücken etwas Neues machen. Ich darf darauf vertrauen, auch wenn es manchmal etwas länger gedauert hat, bis ich das erkannt habe.

Und das gilt nicht nur für mich – sondern auch für Sie. Denn wir alle sind unterwegs: in der Schule, in Ausbildung oder Beruf, im Miteinander, im Glauben, im Leben. Gerade jetzt, wo sich vieles verändert – auch in der Kirche. Weniger Personal, größere Zuständigkeitsbereiche, neue Wege, neue

© Hilke Wiegers

Conny Abdullah

Diplom-Sozialpädagogin und 
Diplom-Religionspädagogin im Nachbarschaftsraum 3

Formen. Es fühlt sich manchmal an, als würde sich alles verschieben. Aber vielleicht ist genau das Advent: Gott kommt in Bewegung – und lädt uns ein, mitzugehen.

Ich wünsche mir, dass wir uns in dieser Adventszeit gemeinsam aufmachen – mit offenen Augen und Herzen. Lassen Sie uns nach dem Licht Ausschau halten, das Gott in unser Leben bringt. Manchmal kommt es leise, manchmal überraschend. Aber immer ist es echt.

Ich freue mich darauf, Sie kennenzulernen, mit Ihnen zu reden, zu lachen, zu glauben, zu fragen – einfach gemeinsam unterwegs zu sein.

Denn: Unser Licht kommt. Und es lohnt sich, aufzustehen.


#MonatsImpuls Oktober 2025

„Gott hat Frieden mit der Welt geschlossen“

Gedanken von Pfarrer Gerhard Fitting zum 2. Korinther 5,19

Dietrich Bonhoeffer schrieb 1944: „Alles, was wir mit Recht von Gott erwarten dürfen, ist in Jesus Christus zu finden. Wenn die Erde gewürdigt wurde, den Menschen Jesus Christus zu tragen, dann und nur dann hat es für uns Menschen einen Sinn zu leben.“ Diese Worte bringen auf den Punkt, was der Apostel Paulus in 2. Korinther 5,19 schreibt: „Gott ist durch Christus selbst in diese Welt gekommen und hat Frieden mit ihr geschlossen, indem er den Menschen ihre Sünden nicht länger anrechnet.“ Diese Botschaft verändert unser Leben bis heute.

1. Identität finden ‒ authentisch leben

Viele Menschen fragen sich: Wer bin ich wirklich? In einer Zeit, in der Selbstinszenierung auf sozialen Medien so leicht fällt, wächst die Sehnsucht nach Echtheit. Jesus von Nazareth lebte eine Authentizität, dienicht auf Wirkung, sondern auf Wahrheit beruhte. Er war ganz bei Gott ‒ und dadurch ganz bei den Menschen. Wenn wir uns an ihm orientieren, lernen wir, echt zu werden: ehrlich vor Gott, ehrlich zu uns

selbst und liebevoll mit anderen. Wie befreiend, wenn ein Mensch sagen kann: Ich muss nicht mehr jemand anderes sein, um geliebt zu werden.

2. Frieden finden ‒ versöhnt leben

Paulus schreibt: Gott „hat Frieden mit der Welt geschlossen“. Das beginnt nicht im Großen, sondern im Kleinen ‒ im Herzen jedes Menschen. Frieden wächst, wo wir lernen, loszulassen: den alten Groll, die Angst, immer recht haben zu müssen. Ein Beispiel: Wenn ein Vater nach Jahren der Entfremdung seinem Sohn schreibt: ‚Es tut mir leid‘ ‒ dann geschieht Versöhnung, und Gottes Friede wird sichtbar. Solcher Friede verändert nicht nur Beziehungen, sondern auch unsere Gesellschaft.

3. Entlastung finden ‒ gerecht leben

Wir alle kennen Schuldgefühle ‒ Versagen, verletzende Worte, Unrecht. Paulus sagt: Gott rechnet uns das nicht länger an. Das ist keine moralische Entschuldigung, sondern eine Einladung zum Neubeginn. Wer erfährt, dass Gott ihn annimmt, kann auch anderen vergeben und frei werden.

Das Leben Jesu zeigt: Gerechtigkeit ist nicht Selbstrechtfertigung, sondern Vertrauen ‒ darauf, dass Gott uns hält, auch wenn wir scheitern. So wächst ein neues, befreites Menschsein, das in Liebe und Verantwortung lebt. Dietrich Bonhoeffer fasste es so: „Christ ist der Mensch, der seine Gerechtigkeit nicht mehr bei sich selbst sucht, sondern bei Jesus Christus allein. Er lebt nicht mehr aus seiner eigenen Anklage und seiner eigenen Rechtfertigung, sondern aus Gottes Wort über ihn.“

Wer Christus vertraut, findet Identität, Frieden und Entlastung ‒ und lebt ein neues, hoffnungsvolles Leben mitten in dieser Welt. 


#MonatsImpuls September 2025

"Beziehung ist alles"

Pfarrerin Karin Becker über Musik, Kunst und die Natur

„Diese Mischung war schon immer mein Leben und so soll es bleiben - auch nach meiner Pensionierung.“ Karin Becker, Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinde Wackernheim wurde am 14. September 2025 in der St. Martinskirche Wackernheim von ihrem Dienst entpflichtet. Mit Blick auf den neuen Lebensabschnitt der Theologin freuen wir uns hier im aktuellen #MonatsImpuls umso mehr auf ihre Gedanken, Erfahrungen und Erlebnisse aus vielen Jahren in ihrer Kirchengemeinde und warum die Begegnung zwischen Mensch und Tier für unser Miteinander eine besondere Rolle spielt:

Beziehung ist alles

Die vielen Geschichten mit „meinen“ Menschen in den unterschiedlichen Kirchengemeinden sind ein reicher Schatz an Erfahrungen. Es sind Geschichten mit tiefen Gesprächen in traurigen Situationen - das entgegengebrachte Vertrauen ehrt ja - die schönen Erlebnisse, das Lachen aus vollem Herzen, die Gottesdienste in kleiner und großer Runde. Das alles möchte ich nicht missen, denn: Beziehung ist alles, egal ob digital über die Ozeane hinweg aber erst recht analog, von Angesicht zu Angesicht.

 „Ubi Caritas et amor…“ bzw. „Wo Barmherzig und die Liebe wohnt, da ist Gott…“ - der Text des Chorals hat es in sich. Ich ergänze: Wo Musik und Kunst die Menschen erbaut und zusammenbringt, auch da ist Gott. Im Gesang der Wale, im Gesang der Vögel spiegelt sich außerdem das Paradies, das Verlorene. Und wieder: Beziehung ist alles. Ein gutes Wort, eine hilfreiche Geste, ein Korb voll Obst, das macht das Leben aus. Ein gemeinsames Mahl im Pfarrhaus, am langen Tisch, hat etwas Transzendentes. „Wo zwei oder drei in meinem

Namen versammelt sind, bin ich mitten unter ihnen“ sagt Jesus zu seinen Freunden. Was für eine schöne Zusage. Ein Stück Paradies in einer gebrochenen Welt.

Das gemeinsame Musizieren oder auch das Zuhören, die geschenkte feine Musik, die verdichtete Kunst in Konzerten - ob in der Nähe oder in der Ferne - dies bedeutet alles „vergoldete“ Zeit, die ihren besonderen Wert hat. Es sind die schönen Bilder der Maler, die versuchen, Schönes und Wesentliches zu erfassen und darzustellen. Es ist die Kunst überhaupt, wo Menschen über Grenzen hinaussehen dürfen. Oder die Natur, die uns beglückt und befreit mit ihrer großen Vielfalt. So stehe ich da und staune wie der Verfasser des 8. Psalms „was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst...?“ Ich kann mich nicht satt sehen am Spiel der Farben, an der Schönheit der Pflanzen im Frühling, im Herbst. Selbst der Vergang ist oft noch schön.

Und doch, neben all dem Schönen, ist es das tiefe Vertrauen der Tiere, unsere Mitgeschöpfe, das sie in uns setzen - denn als Gefährten durch „dick und dünn“ holen sie uns mit den Füßen auf den Boden der Realität zurück. Es sind die Basics, die stimmen müssen, lehrten sie mich. Sie lehrten mich Demut, Vorsicht, Behutsamkeit und Dankbarkeit. Schauen Sie in die Augen eines alten Tieres… Sie sehen alles, was Sie auch kennen: Trauer und gelebte Freude, Hoffnung aber auch Angst vor Hinfälligkeit. Sie haben mir deutlich gezeigt, Freundschaft gibt es auch mit ihnen. Wer sich auf sie einlässt, wird Schönes erleben.

Das war eine echte Bewusstseinserweiterung, eine neue Welt mit Ihnen und mit meinen Schafen, die mich in ihre Herde freundlich aufgenommen haben. Ich kam mir vor wie einst Adam, der, im Garten Eden sitzend, den Tieren Namen geben durfte. „Du bist verantwortlich für

Newsletter MonatsImpuls Pfarrerin Karin Becker(c) Sigrid Wolf

das, was du dir vertraut gemacht hast“ sagt der Fuchs zum kleinen Prinzen. Dieser Satz aus Antoine de Saint-Exupérys "Der kleine Prinz" kam mir immer wieder in den Sinn. Ein Satz gegen die „Wegwerfgesellschaft der Beziehungen“. 

Freundschaften und Beziehungen müssen gepflegt werden. Sie brauchen Verlässlichkeit und auch viel Zuwendung. So ist es. Das ist vielleicht der einzige wesentliche Unterschied des Menschen zum Tier: Wir tragen Verantwortung für unser Tun und Lassen. Und wir können etwas voll und bewusst tun oder lassen.

Eben dies möchte ich auch zukünftig tun: „Viel Musik“ soll es nach Möglichkeit geben, „viel Natur“ und weiterhin „viele Begegnungen“. Da will ich gar nichts grundsätzlich ändern. Es gibt keine Pflicht mehr, das ist gut. Mal sehen, was noch in der Zukunft für mich drin ist. Bis hierher bin ich dankbar und bin gespannt, wie es weitergeht. Also, man sieht sich, auf bald! 

Ihre Karin Becker, Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinde Wackernheim


#MonatsImpuls August 2025

Alles hat seine Zeit

Gedanken von Bildungsreferentin Martina Schott zum bevorstehenden Ruhestand

Ruhestand - das Wort beschreibt eine Zeit, aufzuhören, loszulassen (zumindest vom aktuellen Berufsleben) und sich neu zu orientieren. Für Bildungsreferentin Martina Schott ist es am Samstag, dem 13. September 2025, um 17 Uhr soweit: Nach 19 Jahren in der Jugendarbeit und 21 Jahren in der Erwachsenenbildung (zunächst im Evangelischen Dekanat Ingelheim, ab 2019 dann im fusionierten Dekanat Ingelheim-Oppenheim) wird sie in einem feierlichen Gottesdienst in der Ingelheimer Versöhnungskirche in den Ruhestand verabschiedet.

Das sei nicht ganz so leicht, gibt sie zu, denn: „Ich habe 40 Jahre gerne und mit Freude gearbeitet und habe mich dabei stets getragen und gut unterstützt gefühlt. Dafür bin ich unendlich dankbar.“ Und doch – alles hat seine Zeit.

Folgen Sie daher hier einigen Gedanken der Pädagogin, blicken Sie mit ihr zurück auf einen reichen Erfahrungsschatz aus den vergangenen Jahren in der Begegnung mit Menschen aller Generationen und werfen Sie gleichsam einen Blick mit ihr nach vorne, „in das unbekannte Land des Ruhestands“: 

Als gebürtige Odenwälderin kam ich, nach Studium und Anerkennungsjahr, 1985 von Darmstadt nach Rheinhessen. Vom Wald in die Weinberge, vom Äbbelwoi zum Riesling, das fiel mir nicht schwer. Und der Dialekt unterscheidet sich auch nicht so gravierend.

Begonnen hat alles in der Jugendarbeit. Die Berufsbezeichnung hieß damals noch Dekanatsjugendwartin, später dann Dekanatsjugendreferentin. Im Büro neben der Ingelheimer Versöhnungskirche (Helmut Huber war zu der Zeit Dekanatsjugendpfarrer, später dann Dekan) wurden viele Ideen geboren und im Laufe der Jahre auch umgesetzt, darunter unzählige Jugendfreizeiten, JuLeiCa-Schulungen,

Mädchenseminare und Rheinhessische Jugendtage. Besonders hatten es mir die Segelfreizeiten angetan. Man ist auf engem Raum unterwegs, niemand kann weglaufen, man ist abhängig von Wind und Wetter und weiß am Morgen oft noch nicht, wo man am Abend ankommen wird.

Nach 19 Jahren - und mittlerweile als Mutter von zwei Söhnen - bot sich mir im Dekanat die Gelegenheit, eine neu geschaffene Stelle für eine andere Zielgruppe zu übernehmen. So wechselte ich bis zu meinem jetzigen Ruhestandsbeginn in die Erwachsenenbildung, zur „Fachstelle Bildung“. In den vergangenen Tagen, beim Auf- und Ausräumen, habe ich gesehen, was wir in vier Jahrzehnten so alles gemacht haben. Welche Fülle an Veranstaltungen, welcher Reichtum an Begegnungen mit tollen Menschen! Wenn ich die alten Unterlagen nochmal in die Hand nehme, sind die Erinnerungen wieder da.

Da gab es über viele Jahre das Format der Burgkirchengespräche, also moderierte Podiumsdiskussionen, oder in 2007 dann die erste Nacht der offenen Kirchen, sieben weitere folgten. Für Eltern von Konfirmand*innen entwickelte ich einen Eltern-Begleitkurs, nach der Fusion der Alt-Dekanate Ingelheim und Oppenheim waren es die Dekanatswanderungen, in denen wir jedes Jahr neue Gemeinden erkundeten. Dazu besuchte ich viele Frauen- und Seniorenkreise - stets mit einem anderen Vortrag oder Gesprächsthema im Gepäck. Was haben wir nicht alles auf die Beine gestellt: Kochprojekte, Malworkshops, Fotowettbewerbe, thematische Schiffstouren auf dem Rhein und noch so einiges mehr.

In vielen Fortbildungen für Kirchenvorsteher*innen (und andere) war es mir ein großes Anliegen, Grundlagen des christlichen Glaubens zu vermitteln. Tatsächlich waren es insgesamt 15 selbst organisierte Bildungsreisen, die ich verantwortlich leitete. Diese Reisen, alle mit einem religiösen Schwerpunkt, sind mir sehr ans Herz gewachsen. Wir waren auf den Spuren von Luther, Calvin, Hus oder Albert Schweitzer unterwegs, erkundeten Prag, Paris, Rom, Amsterdam, die Schweiz, den Bodensee und das

Martina SchottMartina Schott | © privat

Piemont. Dabei entstanden - neben dem Bildungsprogramm - wunderbare Gemeinschaften und viele Teilnehmende wurden zu „Dauergästen“.

Nach dem Versand der ersten Einladungen zu meinem Verabschiedungsgottesdienst wurde mir schon hier und da die Frage gestellt, was mir in den vergangenen Jahren besonders wichtig gewesen sei. Rückblickend kann ich sagen, dass es mir immer ein Anliegen war, Kirche interessant zu machen - für Mitglieder und für Nicht-Mitglieder - und meine Angebote am Alltag der Menschen zu orientieren. Gerne nutzte ich dazu die Mittel der Kunst und der Literatur.

Was meine ersten Projekte für den Ruhestand sind, werde ich ebenfalls gefragt. Für mich war das schnell klar: Ich habe mich direkt zu einem Italienischkurs angemeldet, ein Fotokurs wird folgen. Und ich freue mich auf mehr Zeit für Sport und Kultur.

Beim Blick nach vorne, in das unbekannte Land des Ruhestands, vertraue ich auf das Bibelwort „Hört mir zu, die ihr von mir getragen werdet von Mutterleibe an und vom Mutterschoße an mir aufgeladen seid: Auch bis in euer Alter bin ich derselbe, und ich will euch tragen, bis ihr grau werdet.“

Ihre Martina Schott, Bildungsreferentin im Evangelischen Dekanat Ingelheim-Oppenheim


#MonatsImpuls Juli 2025

"Segen ist das, was uns in Umbruchssituationen trägt“

Interview mit Dekan Olliver Zobel zur Dekanatskampagne „Mit Segen bewegen“

Durch das Interview führte Hilke Wiegers, Öffentlichkeitsreferentin des Dekanats

Warum starten Sie in dieser Zeit der Veränderung für die Kirche die Kampagne „Mit Segen bewegen“? 

Antwort: Weil Segen das ist, was uns gerade in Umbruchssituationen trägt und begleitet. Er verheißt: Gott stärkt dich auf deinem Weg. Schaut man in die Bibel, so ist Segen oft ein Zuspruch für Menschen, die in Bewegung sind: Im Alten Testament wird z. B. Abraham von Gott gesegnet und in das Land Kanaan ausgesandt. Auch im Reformprozess ekhn2030 sind wir als Kirche unterwegs und der Segen erinnert uns, dass wir nicht allein sind, dass Gott uns begleitet und stärkt. 

Gleichzeitig geht das „normale“ kirchliche Leben auch während dieses Reformprozesses weiter. Ein Leben, in dem wir diesen Segen und diesen Zuspruch an Menschen weitergeben und so für andere zum Segen werden können. Auch das wollen wir mit dieser Kampagne deutlich machen. 

Wie planen Sie diese Kampagne?

Wir haben diese Kampagne auf zwei Standbeine gestellt: zum einen sind es Plakate und kleine Reportagen, in denen kirchlich Engagierte mit ihrem Bekenntnis für eine lebendige Kirche im Mittelpunkt stehen. Die Plakate sollen u. a. in den Schaukästen unserer Gemeinden gezeigt werden, sind aber auch – kombiniert mit einem auf die Person und ihre Motive ausführlicher eingehenden Text auf unserer Kampagnen-Website zu sehen. Dazu möchten wir die Porträts auch über die Medien verbreiten.

Zum anderen gibt es einen Stand, den sich die Nachbarschafträume und Gemeinden für größere Veranstaltungen ausleihen können. Mit ihm wollen wir Kirche öffentlich auf Festen und Feiern - mitten im Alltag der Menschen - sichtbar machen. Der Stand soll signalisieren: Komm, hol Dir Deinen Segen oder lass uns auch einfach reden. Wir als Kirche wollen uns mit ihm aktiv in die Gesellschaft hineinbewegen – nah- und ansprechbar sein.

Statement Dekan Kampagne (c) Dekanat Ingelheim-Oppenheim

Warum haben Sie für die Kampagnenplakate einzelne Personen mit ihren Statements ausgewählt? 

Weil es immer Menschen sind, die Gottes Segen weitergeben können. Diese Menschen stehen für eine Gemeinschaft, in der sich Menschen auf vielerlei Weise mit Herzblut engagieren können. Genaueres dazu kann man auch in den kleinen Porträts, die wir mit unseren Plakaten auf unserer Kampagnen-Website kombinieren, sehr unterhaltsam nachlesen.

Zum einen, dass es sich für sie lohnt, sich in unserer Kirche ehrenamtlich, aber auch hauptamtlich einzubringen und mitzugestalten, denn so tragen sie mit ihrem Engagement dazu bei, dass unsere Kirche auch künftig ein lebendiger Ort für viele sein wird. Schließlich bringt ja jede und jeder etwas Besonderes ein, das macht unsere Kirche vielfältig und diese Vielfalt werden wir für die Zukunft brauchen. Zum anderen, dass Kirche auch in diesen Umbruchszeiten für sie weiterhin da ist und Gottes Segen weitergeben kann und will. Nützen Sie die Angebote von Gottesdiensten, Kasualien, Seelsorge und die diakonischen Hilfsangebote.

Gerade jetzt haben wir die Chance, Kirche neu zu gestalten, sprich unseren Garten neu zu bepflanzen. Das ist zwar anstrengend, kann aber auch wegen der neuen Möglichkeiten, die sich bieten, viel Freude machen. Die Kampagne soll ganz bewusst unsere Sendung in den Mittelpunkt unseres Tuns stellen, dass wir nämlich „Mit Segen bewegen“ wollen. Nicht die Struktursorgen bewegen uns, sondern Gottes Segen, der auch für Beistand und Unterstützung steht. 

Was ich mit Freude beobachte ist, dass sich in den fünf Nachbarschaftsräumen, zu denen sich unsere 41 Kirchengemeinden zusammengeschlossen haben, schon einiges in punkto Gottesdienstkultur und Konfirmand:innenarbeit getan hat. So gibt es z. B. in vielen Nachbarschaftsräumen eine sog. Sommerkirche, die zahlreiche Gottesdienste unter freiem Himmel feiert. Jedes Jahr unter einem anderen Motto. Oder, in anderen Nachbarschaftsräumen, gibt es mittlerweile neue attraktive Konzepte der Konfirmand:innenarbeit. 

Meinen Optimismus, der aus meinem Glauben entspringt. Wie das Wasser, das auch die größten Hindernisse überwindet, so wird auch unser Glaube seinen Weg finden und damit die Gemeinschaft der Gläubigen, also die Kirche, auch. Lassen wir uns nicht entmutigen, sondern vertrauen wir darauf, dass Gott uns mit seinem Segen neue Wege zeigen wird und noch einiges bewegen will.

#MonatsImpuls Mai 2025

"Jesus macht frei."

Jesus macht frei von Schuld und Sünden. Jesus macht frei von Angst. Jesus macht frei. Alle Menschen. Dich und mich. Das ist eine unserer Glaubensgewissheiten.

Damit hat er ja jede Menge Arbeit.

Ob Jesus auch mal Urlaub gemacht hat? Ob Jesus auch mal frei hatte? Oder wäre das nicht ein verlorener Tag gewesen? Ich habe von guten Freund:innen im Studium das wunderbare Kinderbuch „Jesus nimmt frei“ von Nicholas Allen geschenkt bekommen, das genau auf diese Fragen eingeht. Das Buch erzählt:
„Jesus tat ganz erstaunliche Dinge und niemand konnte sich erklären, wie er das machte.
Er erzählte die spannendsten Geschichten. Tag für Tag arbeitete er hart, um die Welt schöner zu machen.“ Doch eines Morgens wacht er völlig erschöpft vom Gutes-Tun auf.
Die Wunder klappen nicht. Statt auf dem Wasser zu laufen, geht er ganz langsam unter. Und in den Geschichten vergisst er immer, wie es nach dem Anfang weitergeht.

Also geht Jesus zum Arzt. Dieser untersucht ihn eingehend und empfiehlt ihm: „Nimm dir einen Tag frei! Ruh dich aus! Tu etwas, was dir Spaß macht!“

Gesagt, getan. Jesus nimmt sich frei. Er verlebt einen wundervollen Tag: Er geht spazieren, übt Räder schlagen in der Wüste, picknickt genüsslich unter einer Palme und unternimmt einen langen Ausritt auf seinem Esel.

Doch gegen Abend wird Jesus traurig und denkt: „Eigentlich war es ein verlorener Tag, denn ich habe niemandem geholfen.“ Mit schlechtem Gewissen erzählt er seinem

Vater alles. Doch sein Vater beruhigt ihn und sagt: „Schau mal kurz auf die Erde hinunter, Sohn. Überall, wo du Rad geschlagen hast, sind in der Wüste Wasserquellen entsprungen.
Wo du gepicknickt hast, tragen die Bäume die herrlichsten Früchte und alle, die du auf deinem Esel getroffen hast, wurden plötzlich froh. Du siehst: Nur wenn du selbst froh bist, kannst du auch andere fröhlich machen.“

Für mich ist die Jesu‘ Entdeckung im Kinderbuch etwas ganz Wichtiges. Er erkennt: Die Zeit, in der ich nichts tue, ist nicht sinnlos.  Auch wenn ich nichts leiste, bin ich etwas wert. Ich muss nicht immer für irgendwen oder irgendwas gut sein.

Darum dürfen wir ab und an auch mal eine Pause machen. Ferien. Urlaub. Auch wenn wir nicht oder nicht mehr arbeiten dürfen wir das. Und unser Alltag anders fremdbestimmt ist.
Dann brauchen wir erst recht die Auszeit. Und wenn es nur die Auszeit von unseren eigenen Gedanken ist.

In der Auszeit dürfen wir genau diese Erfahrung machen: Ich muss nicht immer für irgendetwas gut sein. Ich darf einfach da sein. Ich bin auch etwas wert, wenn ich nichts tue. Ich darf frei machen. Das ist vielleicht die wichtigste Aussage Jesu in der Bibel: Du bist auch etwas wert, wenn du nichts leistest. Gott liebt dich, egal ob du fleißig bist. Oder faul.


Im Gegenteil. Manchmal, wenn ich ein paar Stunden vertrödelt habe, merke ich: Das war überhaupt nicht sinnlos. Gerade durch die Ruhe und ohne Leistungsdruck habe ich das Problem gelöst, das mich vorher tagelang beschäftigt hat.

© Hilke Wiegers

Pfarrer Christian Brost

Inhaber der Profilstelle für Gesellschaftliche Verantwortung und Pfarrer im Nachbarschaftsraum 2
E-Mail: christian.brost(at)ekhn.de

Das lehrt mich: Die wichtigen Dinge des Lebens kann ich nicht erzwingen, manchmal nicht einmal erarbeiten. Ich bekomme sie geschenkt.

Diese Erfahrung wünsche ich Ihnen auch: Dass Sie Menschen glücklich machen, dass Sie selbst glücklich sind, gerade wenn Sie nichts leisten. Ich wünsche euch, dass Sie das Glück geschenkt bekommen. Jesus macht frei. Also dürfen wir das auch.


#MonatsImpuls April 2025

Welches ist der höchste christliche Feiertag?

Karfreitag oder Ostern? Für beide Tage gibt es wichtige Gründe. Jesus Christus hat das Leiden und die Schuld der Menschen auf sich genommen und stellvertretend für uns durchgestanden bis zum bitteren Ende, dem Tod am Kreuz. Daran denken wir am Karfreitag. Aber Leiden, Schuld und Tod haben nicht das letzte Wort behalten, sondern Gott, der Jesus aus dem Grabe rief und ihn von den Toten wieder lebendig gemacht hat. Das feiern wir an Ostern.

Wie oft fühlen Menschen sich wie unter einem schweren Kreuz. Belastet, bedrückt, erschöpft. Wenn doch endlich einer käme, um uns das Kreuz abzunehmen! In schweren Tagen denke ich an Jesus, wie er unter seinem Kreuz zusammen gebrochen ist und wie ihm schließlich einer beim Tragen geholfen hat. Ich denke an die Frauen, die mit ihm auf dem schweren Weg waren. Sie konnten nichts für ihn tun – außer da zu sein und es mit auszuhalten.

Doch die Bibel erzählt: gerade wo es am dunkelsten war, die Traurigkeit am tiefsten, da geschah das Unerwartete. Das Grab war leer! Sollte das Ende etwa nicht das Ende gewesen sein, sondern der Anfang von etwas ganz Neuem und Großem? Die Frauen, die Zeuginnen des Osterwunders geworden sind, erzählten es freudig weiter: „Der Herr ist auferstanden und wir haben ihn gesehen!“

Wir feiern Karfreitag, wir feiern Ostern. Welcher Tag ist nun der wichtigste? Eigentlich gehören Karfreitag und Ostern untrennbar zusammen. Sie spiegeln unser Leben wieder, welches sich ja auch immer zwischen Leidenserfahrungen und Lebensfreude bewegt, einmal mehr in diese, ein anderes Mal mehr in die andere Richtung. Zu keinen Zeiten und in keinem Leben gibt es nur Leid oder nur Glück.

© Hilke Wiegers

Pfarrerin Ursula Hassinger

Evangelische Kirchengemeinde Gau-Algesheim und Ockenheim

E-Mail: ursula.hassinger(at)ekhn.de

Jesus hat Leiden und Tod überwunden und wurde von Gott zu neuem Leben erweckt. Dadurch haben auch wir in allem Leiden, in allem Sterben die Hoffnung, dass das nicht das Ende sein wird. Gott hat Pläne des Lebens, nicht des Todes. Auch wenn wir seine Gedanken oft nicht verstehen können, so können wir darauf vertrauen, dass er am Ende alles gut macht, so wie er es damals mit Jesus am Ostermorgen gut gemacht hat. Ich wünsche Ihnen, dass die Zuversicht auf neues Leben in Ihre Herzen kommt, besonders in schweren Zeiten!