Es war ein Gottesdienst voller Hoffnung und Zuversicht, der Gründungsgottesdienst der evangelischen Gesamtkirchengemeinde „Nahe an Rhein und Wißberg“ an diesem letzte Märzwochenende 2026 in Bingerbrück. Aufbruchsstimmung war in der gut gefüllten Gustav-Adolf-Jubiläumskirche deutlich zu spüren. Nicht nur die Auswahl der Lieder wie zum Beispiel „Vertraut den neuen Wegen …“ thematisierte diesen Aufbruch, auch die Predigt, gehalten von Pfarrer Eric Kalbhenn, beschäftigte sich damit, wie die Kirche im Allgemeinen und die neu gegründete Gesamtkirchengemeinde im Speziellen sich gut für die Herausforderungen der Zukunft aufstellen kann. Ausgehend von dem Wort des Propheten Jesaja „Mache den Raum deines Zeltes weit und breite aus die Decken deiner Wohnstatt“, forderte Pfarrer Kalbhenn, „dass wir Kirche werden müssen, die hingeht zu den anderen Gemeinden, zu den Menschen am Rande, zu denen, die schon lange nicht mehr zu uns kommen, und dort unser Zelt aufschlagen.“
Aus sieben Kirchengemeinde wird eine Gesamtkirchengemeinde
Mit der Gründung der Gesamtkirchengemeinde „Nahe an Rhein und Wißberg“ bilden die sieben evangelischen Kirchengemeinden Bingerbrück, Christuskirchengemeinde Bingen, Johanneskirchengemeinde Bingen, Gensingen-Grolsheim, Horrweiler-Aspisheim, St. Johann-Wolfsheim und Zotzenheim-Welgesheim seit dem 1. Januar 2026 ein großes Ganzes. Die Kirchengemeinden der neuen Gesamtkirchengemeinde bleiben mit jeweils einem Ortsausschuss als Körperschaften öffentlichen Rechts bestehen. Das Leitungsgremium der Gesamtkirchengemeinde ist der Gesamtkirchenvorstand, der bis zur nächsten Kirchenvorstandswahl in einem Jahr aus den bisherigen KirchenvorsteherInnen aller sieben Gemeinden gebildet wird. Das Verkündigungsteam besteht aus den PfarrerInnen Tanja Brinkhaus-Bauer, Eric Kalbhenn, Svenja Prust und Markus Weickardt und der Gemeindepädagogin Michelle Schmidt. Unterstützt wird das Verkündigungsteam von Julia Kalbhenn, die mit einer dreiviertel Stelle Schulpfarrerin am Stefan-George-Gymnasium ist. Gemeinsam tragen sie dafür Sorge, dass Gottesdienst, Seelsorge und kirchliches Leben im Nachbarschaftsraum verlässlich, vielfältig und gut abgestimmt gestaltet werden. Die auf der Ebene der früheren Kirchengemeinde gebildeten Ortsausschüsse bieten Ehrenamtlichen die Möglichkeit, die kirchliche Arbeit vor Ort mitzugestalten.
„Unsere Aufgabe ist es, Gott zu loben“
Auch wenn sicherlich so manchem Gottesdienstbesucher und mancher Gottesdienstbesucherin der Abschied von der selbständigen Ortsgemeinde durch die Gründung der Gesamtkirchengemeinde nicht leichtfällt, so war doch im Lauf des Gottesdienstes auch die Freude über neue, größere Gemeinschaft zu spüren. „Unsere Aufgabe ist es, Gott zu loben“, erklärte Pfarrer Kalbhenn in seiner Predigt, „Gottes Gegenwart ist nicht an schweren Mauern gebunden. Die Frage heute ist vielmehr, dient uns jedes Gebäude oder dienen wir ihm. Das sind schmerzhafte Fragen, aber weniger Last kann auch mehr Freiheit bedeuten. Auch wir können das, wir können unser Zelt weit machen.“ Und als ein Zeichen dieser neuen Gemeinschaft, dieses Vorangehens in die Zukunft, wurde der neuen, nun viel größeren Gemeinde in der Gustav-Adolf-Jubiläumskirche der neue Gesamtkirchenvorstand vorgestellt. Das Verkündigungsteam trug als Zeichen der neuen Zusammenarbeit als Mini-Chor – neben den beiden Chören aus Bingerbrück und Horrweiler-Aspisheim und Wolfram Wirth an der Orgel – musikalisch zur gelungenen Gestaltung des Gottesdienstes bei.
Lebhafter Austausch und zahlreiche Ansprachen im Bingerbrücker Gemeindesaal
Für das Dekanat Ingelheim-Oppenheim hatten zu Beginn des Gottesdienstes Dekan Olliver Zobel und die stellvertretende Dekanin Vanessa Bührmann zur Bildung der Gesamtkirchengemeinde ihre Glückwünsche überbracht. Die Liste der Gratulanten wurde in dem nach dem Gottesdienst stattfindenden Empfang im Bingerbrücker Gemeindehaus noch wesentlich länger, u. a. hielten der Binger Bürgermeister Ulrich Mönch und der designierte Bürgermeister der Verbandsgemeinde Sprendlingen-Gensingen, Oliver Wernersbach, und der Leitende Pfarrer der Pfarrei Heilige Hildegard von Bingen, Markus Lerchl, Ansprachen. Gut verköstigt, dank der großen Gastfreundschaft der Bingerbrücker Kirchengemeinde und des Engagements auch vieler Ehrenamtlicher aus anderen Mitgliedsgemeinden der Gesamtkirche, tauschten sich die zahlreichen Gäste im Bingerbrücker Gemeindesaal noch lange lebhaft aus, bis das Fest in den Abendstunden endete.