Alles hat seine Zeit

veröffentlicht 30.08.2025, Evangelisches Dekanat Ingelheim-Oppenheim

Martina Schott Martina Schott | © privat

#MonatsImpuls: Gedanken von Bildungsreferentin Martina Schott zum bevorstehenden Ruhestand

Ruhestand - das Wort beschreibt eine Zeit, aufzuhören, loszulassen (zumindest vom aktuellen Berufsleben) und sich neu zu orientieren. Für Bildungsreferentin Martina Schott ist es am Samstag, dem 13. September 2025, um 17 Uhr soweit: Nach 19 Jahren in der Jugendarbeit und 21 Jahren in der Erwachsenenbildung (zunächst im Evangelischen Dekanat Ingelheim, ab 2019 dann im fusionierten Dekanat Ingelheim-Oppenheim) wird sie in einem feierlichen Gottesdienst in der Ingelheimer Versöhnungskirche in den Ruhestand verabschiedet. Das sei nicht ganz so leicht, gibt sie zu, denn: „Ich habe 40 Jahre gerne und mit Freude gearbeitet und habe mich dabei stets getragen und gut unterstützt gefühlt. Dafür bin ich unendlich dankbar.“ Und doch – alles hat seine Zeit.

Folgen Sie daher hier einigen Gedanken der Pädagogin, blicken Sie mit ihr zurück auf einen reichen Erfahrungsschatz aus den vergangenen Jahren in der Begegnung mit Menschen aller Generationen und werfen Sie gleichsam einen Blick mit ihr nach vorne, „in das unbekannte Land des Ruhestands“: 

Als gebürtige Odenwälderin kam ich, nach Studium und Anerkennungsjahr, 1985 von Darmstadt nach Rheinhessen. Vom Wald in die Weinberge, vom Äbbelwoi zum Riesling, das fiel mir nicht schwer. Und der Dialekt unterscheidet sich auch nicht so gravierend.

Begonnen hat alles in der Jugendarbeit. Die Berufsbezeichnung hieß damals noch Dekanatsjugendwartin, später dann Dekanatsjugendreferentin. Im Büro neben der Ingelheimer Versöhnungskirche (Helmut Huber war zu der Zeit Dekanatsjugendpfarrer, später dann Dekan) wurden viele Ideen geboren und im Laufe der Jahre auch umgesetzt, darunter unzählige Jugendfreizeiten, JuLeiCa-Schulungen, Mädchenseminare und Rheinhessische Jugendtage. Besonders hatten es mir die Segelfreizeiten angetan. Man ist auf engem Raum unterwegs, niemand kann weglaufen, man ist abhängig von Wind und Wetter und weiß am Morgen oft noch nicht, wo man am Abend ankommen wird.

Nach 19 Jahren - und mittlerweile als Mutter von zwei Söhnen - bot sich mir im Dekanat die Gelegenheit, eine neu geschaffene Stelle für eine andere Zielgruppe zu übernehmen. So wechselte ich bis zu meinem jetzigen Ruhestandsbeginn in die Erwachsenenbildung, zur „Fachstelle Bildung“.

In den vergangenen Tagen, beim Auf- und Ausräumen, habe ich gesehen, was wir in vier Jahrzehnten so alles gemacht haben. Welche Fülle an Veranstaltungen, welcher Reichtum an Begegnungen mit tollen Menschen! Wenn ich die alten Unterlagen nochmal in die Hand nehme, sind die Erinnerungen wieder da.

Da gab es über viele Jahre das Format der Burgkirchengespräche, also moderierte Podiumsdiskussionen, oder in 2007 dann die erste Nacht der offenen Kirchen, sieben weitere folgten. Für Eltern von Konfirmand*innen entwickelte ich einen Eltern-Begleitkurs, nach der Fusion der Alt-Dekanate Ingelheim und Oppenheim waren es die Dekanatswanderungen, in denen wir jedes Jahr neue Gemeinden erkundeten. Dazu besuchte ich viele Frauen- und Seniorenkreise - stets mit einem anderen Vortrag oder Gesprächsthema im Gepäck. Was haben wir nicht alles auf die Beine gestellt: Kochprojekte, Malworkshops, Fotowettbewerbe, thematische Schiffstouren auf dem Rhein und noch so einiges mehr.

In vielen Fortbildungen für Kirchenvorsteher*innen (und andere) war es mir ein großes Anliegen, Grundlagen des christlichen Glaubens zu vermitteln. Tatsächlich waren es insgesamt 15 selbst organisierte Bildungsreisen, die ich verantwortlich leitete. Diese Reisen, alle mit einem religiösen Schwerpunkt, sind mir sehr ans Herz gewachsen. Wir waren auf den Spuren von Luther, Calvin, Hus oder Albert Schweitzer unterwegs, erkundeten Prag, Paris, Rom, Amsterdam, die Schweiz, den Bodensee und das Piemont. Dabei entstanden - neben dem Bildungsprogramm - wunderbare Gemeinschaften und viele Teilnehmende wurden zu „Dauergästen“.

Nach dem Versand der ersten Einladungen zu meinem Verabschiedungsgottesdienst wurde mir schon hier und da die Frage gestellt, was mir in den vergangenen Jahren besonders wichtig gewesen sei. Rückblickend kann ich sagen, dass es mir immer ein Anliegen war, Kirche interessant zu machen - für Mitglieder und für Nicht-Mitglieder - und meine Angebote am Alltag der Menschen zu orientieren. Gerne nutzte ich dazu die Mittel der Kunst und der Literatur.

Was meine ersten Projekte für den Ruhestand sind, werde ich ebenfalls gefragt. Für mich war das schnell klar: Ich habe mich direkt zu einem Italienischkurs angemeldet, ein Fotokurs wird folgen. Und ich freue mich auf mehr Zeit für Sport und Kultur.

Beim Blick nach vorne, in das unbekannte Land des Ruhestands, vertraue ich auf das Bibelwort „Hört mir zu, die ihr von mir getragen werdet von Mutterleibe an und vom Mutterschoße an mir aufgeladen seid: Auch bis in euer Alter bin ich derselbe, und ich will euch tragen, bis ihr grau werdet.“

Ihre Martina Schott, Bildungsreferentin im Evangelischen Dekanat Ingelheim-Oppenheim

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