Einander innig zugewandt sitzt das Paar auf einfachen Klappstühlen vor Pfarrer Christian Brost. Der kleine improvisierte Altar steht nur wenige Meter von den imposanten Außenmauern der Ingelheimer Burgkirche entfernt. Im Schatten der Bäume nimmt das Paar die Segensworte des Pfarrers für die gemeinsame Beziehung entgegen. Ein stiller, anrührender Moment. Ein Moment der Freude.
Es sind Augenblicke wie dieser, die „Einfach heiraten“, eine gemeinsame Aktion der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde Ingelheim und des Evangelischen Dekanats Ingelheim-Oppenheim, so besonders machen. Ob im weiten Innenraum der Burgkirche, in der kleinen Seitenkapelle oder am Altar im Grünen: An diesem sehr heißen Sommertag wird geheiratet und gesegnet, gelacht und gefeiert. Immer wieder fließen auch Tränen der Rührung.
„25 Paare hatten sich angemeldet“, berichtet Pfarrerin Jessica Grünenwald, die „Einfach heiraten“ in Ingelheim gemeinsam mit der stellvertretenden Dekanin Vanessa Bührmann organisiert. „Zwei Paare haben wegen der Hitze abgesagt. Dafür sind elf Paare ganz spontan vorbeigekommen und haben sich trauen oder segnen lassen.“
Segenskerzen, Trauspruch, Musikauswahl
Kein Wunder also, dass es an diesem Freitag rund um die Burgkirche zugeht wie in einem kleinen Bienenstock. Die Paare kommen an, melden sich an und werden von ihren Patinnen und Paten in Empfang genommen. Gemeinsam gehen sie zu den verschiedenen Stationen. Dort können sie persönliche Segenskerzen gestalten, einen Trauspruch auswählen und sich für ein Musikstück entscheiden.
Danach begrüßt sie die Pfarrperson, die sie durch die Zeremonie begleiten wird, zu einem vorbereitenden Gespräch. Anschließend geht es in die Kirche, in die Kapelle oder zum Altar im Grünen. An jedem dieser Orte wartet bereits eine Organistin oder ein Organist, um die kleine Feier mit der gewünschten Musik zu eröffnen. Dann wird es ganz still, bevor die ersten Segensworte erklingen.
Gutes Teamwork bildete Basis für das gelungene Fest
Von dem Stress, der vor und während großer Hochzeitsfeiern oft zu spüren ist, ist an diesem Freitag wenig zu merken. Dazu trägt auch das große Engagement der vielen ehren- und hauptamtlichen Helferinnen und Helfer bei. Schon am Vortag haben sie die Räume vorbereitet und geschmückt. Jessica Grünenwald blickt dankbar auf die gelungene Veranstaltung: „Unser mehr als 30-köpfiges Team hat flexibel mit angepackt und dort geholfen, wo es gerade nötig war. Nur so konnte alles so gut Hand in Hand laufen.“
Eine Feier ganz auf die Paare zugeschnitten
Zehn Pfarrerinnen und Pfarrer sind an diesem Tag unermüdlich im Einsatz. Trotz der Hitze genießen alle die besondere Atmosphäre. „Für mich ist das ein wunderschöner Tag“, sagt die junge Binger Pfarrerin Svenja Prust. Dass viele Paare ohne große Festgesellschaft erscheinen, empfindet sie keineswegs als Mangel. Im Gegenteil: Sie möchte Paare darin bestärken, diesen Tag so zu gestalten, wie es für sie selbst richtig ist. „Ein Paar sagte mir zum Beispiel: Ja, wir wollen diese Feier nur für uns haben.“
Lang gehegte Träume gehen in Erfüllung
„Manche Paare haben sich mit der kirchlichen Trauung einen über Jahrzehnte gehegten Traum erfüllt“, erzählt die stellvertretende Dekanin Vanessa Bührmann. „Andere wollten ihre langjährige Beziehung ganz bewusst unter Gottes Schutz stellen. So unterschiedlich die Geschichten der Paare auch sind – sie alle verbindet der Wunsch nach Gottes Segen für ihre Liebe.“