Das Interview mit Henning Krey hat gerade erst begonnen, da klingelt es an der Haustür. Ein Ehrenamtlicher aus seiner Niersteiner Kirchengemeinde steht vor der Tür und bittet Krey, das allmonatliche Ausfahren der Geburtstagskarten für die Gemeindeglieder ausnahmsweise zu übernehmen. Keine Frage: Der Theologe und Prädikant sagt zu und kommt zurück auf die sonnige Terrasse seines Hauses. Diese kleine Szene wirft ein bezeichnendes Licht auf die Auffassung, die Henning Krey vom Ehrenamt hat: ein Amt, das ihn trägt und für ihn seit Jahren einen Freizeitausgleich bedeutet.
Krey ist außerdem ein gutes Beispiel dafür, wie vielfältig ehrenamtliches Engagement sein kann, denn er ist nicht nur Vorsitzender des Ortsausschusses der Ortsgemeinde Nierstein seit Anfang 2026, sondern auch Synodaler in der Dekanatssynode, stellvertretender Vorsitzender des Niersteiner Orgelbauvereins und einfach auch ein zupackender Helfer immer dort, wo spontan Unterstützung gebraucht wird. So ist der begeisterte Hobbybäcker auch Lieferant für kleine Orgelpfeifen in Gebäckform für den Niersteiner Orgelbauverein, aber vor allem ist er engagiert für die EKHN-Initiative „Leben im Alter“. Kurz gesagt: Der 63-Jährige ist ein Glücksfall für seine Gemeinde und für die Kirche überhaupt.
Über das Theologiestudium zurück zum Glauben
Geboren in Hannover und aufgewachsen in Langenhagen nördlich der Landeshauptstadt, ging Henning Krey zwar in eine evangelische Kita und wurde konfirmiert, aber – so erklärt er – „richtig kirchlich sozialisiert bin ich nicht aufgewachsen“. Nach seinem Zivildienst, den er jeweils zu 50 Prozent in einer Kirchengemeinde und einer Sozialstation absolvierte, fiel seine Studienwahl auf das Fach Theologie – „und da“, erinnert sich Krey, „habe ich wieder zum Glauben gefunden“. Die Aussichten auf eine Pfarrstelle waren damals allerdings schlecht. Während seine damalige Frau noch einen Vikariatsplatz erhielt, entschied sich Krey dafür, sein Studium mit dem Magister der Theologie abzuschließen. Anschließend qualifizierte er sich für die Leitung von Altenheimen. „Mein Trost war“, erinnert sich der Wahl-Niersteiner, „dass ich in der Hausgemeinschaft des Altenheims gleichzeitig auch eine in die Kirchengemeinde eingebundene Minigemeinde haben würde“. Mit viel Elan stürzte sich Krey in seine neue Aufgabe. Er sammelte berufliche Erfahrungen in Ostwestfalen, Freiburg, im Ruhrgebiet und im Odenwald, bevor er sich – auch mit Rücksicht auf seine junge Familie – in Rheinhessen niederließ.
„Hallo, ich bin da“
Eines blieb bei allen Ortswechseln gleich: „Ich bin immer ins örtliche Pfarramt gegangen und habe gesagt: Hallo, ich bin da. Ich mache mit, wenn ihr etwas habt, das passt.“
So engagierte er sich auch als Neubürger Niersteins zunächst im Elternausschuss der evangelischen Kita, die seine Töchter besuchten, dann unterstützte er tatkräftig Kirchengemeinde und Kommune bei der Gründung des heute fest etablierten Niersteiner Familienzentrums und schließlich wurde er auch Mitglied des Kirchenvorstands. Außerdem gehört Krey zu den Gründungsmitgliedern des Orgelbauvereins, der auf Initiative von Kantorin Dr. Katrin Bibiella entstand. Für die Orgelkonzerte backt er, wie er schmunzelnd erzählt, „seither kleine Orgelpfeifen“.
Damit niemand das Gefühl hat, allein zu sein
Sein Herzensanliegen aber ist sein Engagement für das EKHN-Netzwerk „Leben im Alter“. „Gerade im Seniorenbereich leisten wir als Kirche eine tolle Arbeit“, schwärmt er, „und es ist so wichtig, dass nicht jede und jeder der vielfältigen Akteure das Rad für sich neu erfindet.“
Krey wirbt deshalb dafür, das Netzwerk weiter auszubauen. Menschen, die sich in Gemeinden und Einrichtungen für ältere Menschen engagieren, können sich über den Verteiler (https://leben-im-alter.ekhn.de/newsletter) über Angebote und Entwicklungen innerhalb der EKHN und darüber hinaus per Newsletter informieren lassen. Über den Newsletter werden auch Termine für Austauschtreffen und Fachtage bekanntgegeben. Mindestens ebenso wichtig ist für ihn der Austausch untereinander. „Damit niemand in den Gemeinden das Gefühl hat, wir sitzen hier alleine.“
Das Ehrenamt verbindet
Henning Krey nimmt man ohne jeden Zweifel ab, dass ehrenamtliches Engagement nicht nur anderen guttut. Es bereichert auch diejenigen, die sich einbringen: „Es ist einfach irre, was man über die ehrenamtliche Tätigkeit für Sozialkontakte aufbauen kann“, berichtet der Theologe von seinen Erfahrungen in Nierstein, „wie viele Menschen man kennenlernt, mit denen einen eine ähnliche Wellenlänge verbindet.“
Dabei gehe es nicht nur um Gemeinschaft, sondern auch darum, die eigenen Überzeugungen zu hinterfragen: „Man kann sich austauschen, die eigenen Gedanken prüfen und vielleicht auch korrigieren. Das erweitert einfach den eigenen Horizont.“
Von Gottes Segen getragen
Eine wichtige Kraftquelle ist für Henning Krey der Glaube. „Ich glaube, dass wir in Gottes Hand sind. Gottes Segen durchströmt und motiviert uns, sodass wir diesen Segen an die Menschen in unserer Umgebung weitergeben und darüber hinaus ausstrahlen können.“