Ein Elternabend ist in einer Kita zunächst einmal ein organisatorischer Termin. In der Evangelischen Kita Versöhnungskirche wurde die jährliche Wahl des Elternausschusses deshalb mit einem Einblick in die pädagogische Arbeit verbunden. Im Mittelpunkt standen dabei die Kinderrechte und die Frage, wie Kinder ihrem Alter entsprechend an Entscheidungen beteiligt werden können.
Nach der Begrüßung durch Kita-Leiterin Naomi Schaberger und ihre Stellvertreterin Sandra Ruh stellten sich zunächst die pädagogischen Fachkräfte vor. Die Erziehungsberaterin Ulrike Schmoll von der Evangelischen Psychologischen Beratungsstelle informierte anschließend über deren Beratungs- und Unterstützungsangebote für Familien. Auch Theresa Straus stellte ihre Arbeit als Kita-Sozialarbeiterin und Quintett-Fachkraft vor. Sie ist regelmäßig in der Einrichtung präsent und steht Eltern und Fachkräften beratend und begleitend zur Seite.
„Kinderkonferenz“ schafft Beteiligung
Den Schwerpunkt des Abends bildete die Arbeit der „Kinderkonferenz“. Die Kinderkonferenz ist ein festes Beteiligungsformat in der Kita: Kinder kommen in einer Gruppe zusammen, sprechen über Themen, die ihren Alltag betreffen, äußern Wünsche und Beschwerden und beraten gemeinsam über mögliche Lösungen. Je nach Alter geschieht das mit einfachen Abstimmungen, Bildern, Symbolen oder im Gespräch. So lernen Kinder, ihre Meinung zu formulieren, anderen zuzuhören und zu erleben, dass ihre Stimme bei Entscheidungen berücksichtigt wird.
Zwei Fachkräfte der Kita, Elke Scheumann und Samantha Kornely, erläuterten den Eltern, wie sie die Kinderkonferenz in der Evangelischen Kita Versöhnungskirche konkret umsetzen. Dabei geht es nicht allein darum, Kindern Wahlmöglichkeiten anzubieten. Sie sollen vielmehr erfahren, dass ihre Meinung gehört wird und Auswirkungen haben kann. Gleichzeitig wurde auch sehr deutlich, dass man in der Kita erkannt hat: Die Anerkennung von Kinderrechten allein reicht nicht aus. Kinder müssen auch darin gestärkt werden, ihre Stimme zu nutzen, um für ihre eigenen Anliegen einzustehen.
Wie das in der Praxis funktioniert, zeigten unter anderem kurze Videoclips aus dem Kita-Alltag. Darin berichteten Kinder selbst über ihre Rechte, die Kinderkonferenz und das Kinderparlament. Nach Einschätzung der Fachkräfte der Kita der Versöhnungskirche zeigt sich dabei auch eine persönliche Entwicklung: Kinder, die sich zunächst nur ungern vor einer Gruppe äußerten, gewinnen zunehmend an Sicherheit und vertreten ihre Anliegen selbstbewusster. Aus der Beteiligung wird so ein Stück gelebte Selbstwirksamkeit.
Kinderrechte und Beteiligung bedeuten dabei nicht, dass Kinder alle Entscheidungen selbst treffen. Vielmehr sollen sie als eigenständige Persönlichkeiten ernst genommen und dort beteiligt werden, wo ihr Alltag und ihre Lebenswelt betroffen sind. Gleichzeitig bleiben Erwachsene in der Verantwortung, Orientierung zu geben und notwendige Grenzen zu setzen.
„Meine Stimme zählt“
Dass Kinderrechte in der Kita nicht nur theoretisch vermittelt werden, machte zum Abschluss eine kleine Übung deutlich. Die Eltern erhielten – wie zuvor die Kinder in der Kinderkonferenz – einen Handspiegel. Beim Blick in den Spiegel sprachen sie gemeinsam den Satz: „Ich bin wichtig, weil ich bin!“
Dieser Satz fasst einen wesentlichen Gedanken des Abends und die Grundhaltung der pädagogischen Fachkräfte gut zusammen: Kinder sollen in der Kita erfahren, dass sie als Person wichtig sind, ihre Gedanken, Gefühle und Bedürfnisse ernst genommen werden und dass sie den Mut entwickeln dürfen, für sich selbst einzustehen. Für die Eltern bot der Abend damit weit mehr als einen Einblick in den Kita-Alltag: Er machte erlebbar, welche pädagogische Grundhaltung die Arbeit der Kita prägt – und wie berührend es sein kann, zu sehen, mit wie viel Vertrauen, Wertschätzung und Zutrauen Kinder hier in ihrer Entwicklung begleitet werden.
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